[w+] Am Tag der deutschen Einheit bestand in dieser Saison die erste Möglichkeit, Amateure und Profis an einem Tag sehen zu können. Damals sprangen aus beiden Spielen gute vier Punkte in zwei eher mittelmäßigen Spielen raus. Letzten Samstag hatten wir erneut die Chance, beide Teams an einem Tag zu sehen. Um 14:00 Uhr spielten die Amateure im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück und abends um 18:30 Uhr war Anpfiff im Westfalenstadion zum Spiel gegen den FSV Mainz 05. Am Ende stand dann ein mickriges Pünktchen aus zwei eher bescheidenen Spielen auf dem Konto. Das hatten sich im Vorfeld sicherlich nicht wenige etwas anders ausgerechnet.
Nach dem Pokalspiel der Profis stellte ich die Wette in den Raum, dass die Amateure bestimmt recht locker im Ligaspiel gegen den VfL Osnabrück gewinnen würden. Es war auch recht locker, aber leider nicht für den BVB. Der VfL ließ unserer Zweiten eigentlich kaum eine Chance, wobei kein allzu großer Energieaufwand vonnöten war. Ich muss leider sagen, dass ich selten harmlosere Mannschaften als unsere Zweite gesehen habe. Da nimmt niemand mal das Heft in die Hand, es wird immer nur der eigene Stiefel runter gespielt und wie so etwas enden kann, dürfte wohl jeder wissen. Mit 4:1 fertigte uns der Gastgeber letztendlich ab. Auch wenn ich es mir wünschen würde, habe ich nur wenig Hoffnung, dass nach dem letzten Spieltag der Nichtabstieg gefeiert werden kann. Dafür waren einfach die bisher gesehenen Spiele und damit verbundenen Leistungen zu schwach, um sich langfristig von der Abstiegszone entfernen zu können.
Stimmungsmäßig war es auf beiden Seite ok, nicht mehr und auch nicht weniger. Die oft so hoch gelobte Bremer Brücke konnte in den beiden Spielen gegen uns nicht ansatzweise überzeugen. Nur in der Mitte der Heimtribüne rafften sich jeweils 150 bis 200 Leute auf, um durchgängig ihre Elf zu unterstützen. Der Rest stieg nur dann und wann mit ein. Und da das fast überall so ist, waren beide Auftritte nur biederer Durchschnitt. Aber die Bremer Brücke ist ja nicht das einzige Stadion Deutschlands, welches seinem Ruf nur in den seltensten Fällen gerecht wird. Mir fallen da spontan der Aachener Tivoli, der Bieberer Berg in Offenbach, die alte Försterei in Berlin-Köpenick, das Eintracht-Stadion in Braunschweig, das Dreisamstadion in Freiburg und leider auch oft das Westfalenstadion in Dortmund ein, die laut diverser Liveübertragungen und Spielzusammenfassungen immer ein Tollhaus sondergleichen sind, aber in der Wirklichkeit eher durchschnittlich sind. Aber das ist ein Thema, welches man gesondert behandeln könnte, wenn man es denn wollte.
Mit dem Abpfiff verließen wir recht zügig das Stadion, um unseren Zug zu erwischen, was letztendlich auch reibungslos klappte. Uns blieb noch ausreichend Zeit, um uns mit etwas Proviant zu versorgen. Nach den ersten 90 Minuten des Tages waren die Kehlen trocken und die Mägen hungrig. Mit dem IC ging es dann in die Heimat.
Mein persönliches Osnabrückfazit: Drei Bierduschen, null Punkte. Wäre mir andersherum auch lieber gewesen…
Nach Ankunft auf der Baustelle, die sich Dortmunder Hauptbahnhof schimpft, ging es recht flott runter zur U-Bahn, wo uns auch gleich die erstmögliche zum Westfalenstadion kutschierte. Dort ebneten wir uns den Weg zum Eingang, um nach kurzem Sammeln zusammen auf die Süd zu gehen, wo es trotz für uns abgesperrtem Bereich schon sehr eng war. Kurz darauf fiel dann auch schon Vorhang für den Hauptakt des Tages.
Vor 74.000 Zuschauern im schönsten Theater der Republik schafften es die 22 Akteure auf der grünen Bühne aber nur äußerst selten, das Publikum zu begeistern. Nach der neunzigminütigen Vorstellung konnten sich lediglich die mitgereisten Mainzer über die torlose Punkteteilung freuen. Wir allerdings hätten mit einem Heimsieg wieder Anschluss an die vorderen Plätze gefunden, bleiben so aber aktuell etwas auf der Stelle stehen. Als positives Fazit bleibt festzuhalten, dass wir auch weiterhin seit dem Derby ungeschlagen sind und seitdem auch nur zwei Gegentore kassiert haben. Negativ fällt auf, dass der Spielaufbau viel zu durchsichtig ist und Überraschungsmomente fehlen. Hier macht es sich schmerzlich bemerkbar, dass mit Tamas Hajnal der Kreativkopf der Mannschaft fehlt.
Es bleiben jetzt noch vier Spieltage, um sich zur Winterpause auf einem aussichtsreichen Tabellenplatz zu positionieren, um in der Rückrunde aufs Neue angreifen zu können. Die beiden Heimspiele gegen Nürnberg und Freiburg sollten dafür schon fast zwingend gewonnen werden. Und auswärts in Hoffenheim und Wolfsburg? Das werden die beiden Überraschungstüten der letzten vier Spiele. Vielleicht gelingen ja zwei Coups wie in Leverkusen und Bremen, wobei Wolfsburg zurzeit auch schlagbar ist. Warten wir es ab, ich bin gespannt!
Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, wo der Text hier fast zu Ende ist, warum kein einziges Wort über Robert Enke und die Kontellation Dortmund-Klopp-Mainz gefallen ist. Ganz einfach, ich habe habe keinen Bock, auf diesen Medienhype aufzuspringen. Feddichaus!
An der Bremer Brücke angekommen, ging es auch schnell aus dem Bus und zum Gästeeingang. Schnell nach unten in den Block gedrängelt und schon konnte das Unheil seinen Lauf nehmen. Doch bevor es peinlich wurde, gab es im Gästeblock nach ewiger Zeit mal wieder eine richtig feine Pyroeinlage. An alle, die jetzt wieder zum Moralapostel mutieren. Es ist mir egal, was darüber gedacht wird, ich find’s einfach geil! Niemand kam zu Schaden, nichts wurde aufs Spielfeld geworfen, es sah richtig gut aus und war der einzige Lichtblick am gestrigen Abend. Zum Spiel selber möchte ich nichts mehr sagen. Zum einen weil ich aufgrund meiner Position im Block nicht allzu viel erblicken konnte und weil das kühle Blonde das ganze noch erträglich machen konnte. Half aber auch nur für den gestrigen Abend, denn heute bin ich sauer, gestern war ich nur zynisch.









