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Der letzte Vorhang

[w+] Weil es kein großes Blabla werden soll, mache ich es kurz und knapp. Nach über vier Jahren ist Schluss mit diesem Blog. Wenn Dinge, die einem lange Zeit große Freude bereitet haben, mehr und mehr zur Last werden, muss man sie abschütteln. Und genau das mache ich hiermit.

Ich werde den Blog noch eine ganze Weile online lassen, ihn aber irgendwann komplett löschen. Den Zeitpunkt werde ich spontan festlegen.

Abschließend möchte ich mich bei all den Leuten bedanken, die in den vier Jahren für teils utopische Zugriffszahlen gesorgt haben. An manchen Tagen dachte ich einfach nur „Wow, wassen hier los?!?“.

Für immer Borussia Dortmund!

Töpfe und Wünsche

[w+] Heute Abend um 18:00 Uhr ist es endlich soweit. Die Gruppenphase der diesjährigen Champions League wird ausgelost. Immer wenn ich die letzten Tage bei Facebook reingeschaut habe, hat bereits jeder, zumindest gefühlt,  seine Traumgruppe gepostet. Ich will das auch nun auch tun, aber ausführlicher und nicht exklusiv für das olle Facebook-Pack.

Borussia Dortmund befindet sich aufgrund der letzten eher dürren Europapokaljahre im vierten Topf und befindet sich dort mit dem SSC Napoli und Dinamo Zagreb in illustrer Runde. Schade eigentlich, beide Clubs hätte ich gerne als Gegner meiner Borussia gesehen, aber da muss ich mich wohl noch bis zur K.O.-Runde gedulden müssen.

Kommen wir jetzt aber zu den drei Traumgegnern, die wir heute Abend hoffentlich zugelost bekommen. Vorab möchte ich aber noch die Bedingungen erläutern, um einen Gegner für mich zum Traumgegner werden zu lassen. Hier spreche ich natürlich aus einem ganz subjektiven Blickwinkel, denn meine Wünsche sind ganz einfach. Die Auswärtsspiele dürfen nicht allzu kostspielig und vor allem mit so wenig Zeitaufwand wie möglich verbunden sein. Trotzdem möchte ich die dicken Brocken haben. Also, los geht’s!

Die Gegner aus Topf 1: In den Kugeln dieses Topfes verbergen sich der FC Barcelona, Manchester United, der FC Chelsea, die Bayern, Arsenal London, Real Madrid, der FC Porto und Inter Mailand. Die Bayern fallen natürlich raus, in der Gruppenphase sind Duelle zwischen zwei Vertretern desselben Landes nicht vorgesehen und sind von daher nicht möglich. Von all den großen Namen wünsche ich mir Manchester United. Aber einzig und allein aus dem Grund, weil ich dann endlich mein vor etlichen Jahren im Suff getextetes Lied „Who the fuck is Man United, where’s your glory we’ve been told. All we hear is the black and yellow army! Denn hier regiert der BVB!“ singen kann. Natürlich versprühen Old Trafford und der Club an sich reichlich Anziehungskraft und auch wenn der Fußball in England genau das ist, was ich mir für Deutschland niemals wünsche, muss man einmal im Leben in Old Trafford gewesen sein. Da es mir 1997 vergönnt geblieben ist, würde ich dieses Projekt gerne in diesem Herbst angehen.

Die Gegner aus Topf 2: Neben dem AC Milan schlummern hier noch Olympique Lion, Schachtar Donezk, der FC Valencia, Benfica Lissabon, der FC Villareal, ZSKA Moskau und Olympique Marseille in der Glasschale. Hier schwanke ich zwischen dem AC Milan und Olympique Marseille. Milan, weil es mir bislang vergönnt geblieben ist, in San Siero ein Spiel im Stadion sehen zu dürfen. Ich stand einmal vor diesem Koloss und war schlichtweg begeistert. Außerdem führen die ersten Erinnerungen meiner Generation an dieses Stadion zum Großteil ins Jahr 1990 als die deutsche Nationalmannschaft dort den Grundstein für den späteren WM-Titel legte. Es wäre einfach ein (persönlicher) Traum. Und Olympique, weil es als ich grade knapp zwölf Jahre alt war, die Champions League gewann. Mit so namhaften Spielern wir Fabien Barthez, Marcel Desailly, Alen Boksic, Didier Deschamps, Rudi Völler oder Abedi Pele. Das blieb irgendwie haften. Außerdem ist das Stadion Velodrom ein absoluter Traum und Marseille als Stadt sicherlich auch nicht zu verachten. Wenn es wider Erwarten doch keiner dieser beiden Clubs werden sollte, würde ich Olympique Lyon oder Benfica Lissabon als Notnagel akzeptieren. Bloß keinen der beiden spanischen Vertreter oder gar Moskau oder Donezk.

Die Gegner aus Topf 3: Zenit St. Petersburg, Ajax Amsterdam, Bayer Leverkusen, Olympiakos Piräus, Manchester City, OSC Lille, FC Basel, BATE Baryssau. Ganz klar, hier lauten meine Favoriten Ajax und Basel. Leverkusen fällt aus den oben genannten Gründen raus. Selbst wenn es von der Regelung her machbar wäre, würde Leverkusen nie zum Traumgegner avancieren. Jedes Spiel gegen die ist eins zu viel. Aber zurück zu den schönen Sachen. Ein Pflichtspiel gegen Basel wäre ein richtiger Traum, das gäbe auf jeden Fall zwei atmosphärische Highlights. Und Ajax Amsterdam fand ich schon immer irgendwie cool. Keine Ahnung warum, aber auch wenn das Spiel in Amsterdam nach dem Prinzip „Hinfahrt direkt zum Stadion, Spiel gucken und direkt wieder nach hause“ ablaufen würde, fänd ich Amsterdam ziemlich gut. Basel bleibt aber mein Favorit. Olympiakos Piräus hätte natürlich auch was, keine Frage. Aber hier passen der Geld- und Zeitfaktor leider nicht in meine Pläne.

Aber um das lange Gefasel noch einmal kurz zusammen zu fassen gibt es meine Traumgruppe hier im Überblick:

Borussia Dortmund
Manchester United
AC Milan oder Olympique Marseille
FC Basel oder Ajax Amsterdam

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Stiller Heimsieg

[w+] Das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg kann schnell abgehandelt werden. Sogar sehr schnell. Auf dem Rasen tat sich unsere Elf gegen clever aufspielende Franken sehr schwer. Die gute Defensive des Clubs konnte aber dennoch zweimal durchbrochen werden. Wobei das Tor von Großkreutz eher der Kategorie Zufall zuzuschreiben ist. Egal, gewonnen, Punkte eingesackt und nach vorne blicken.

Trotz des Sieges bekleckerte sich die Südtribüne Dortmund an diesem sommerlichen Nachmittag wahrlich nicht mit Ruhm. Allen voran die erste Halbzeit war von vorne bis hinten eine absolute Frechheit und einer schwarzgelben Kurve nicht würdig. In der zweiten Hälfte wurde es phasenweise besser, aber auch hier mangelte es an allen Ecken und Enden an Einsatz und Leidenschaft, vor allem im mittleren Block Drölf. Wer meint, dass sein Platz genau dort im Herzen der Tribüne ist, muss mehr leisten. Wer das zu leisten nicht imstande ist, sollte sich Gedanken machen, ob der Standort der richtige ist. Die Südtribüne ist groß genug und bietet auch stillen Beobachtern Platz, aber im Herzen der Kurve wird mehr von einem gefordert als regungslos mit verschränkten Armen rumzudösen.
 
Die Gäste aus Nürnberg, die zahlenmäßig sehr schwach vertreten waren, schienen diese Probleme nicht zu haben. Denn zumindest rein optisch machten sie einen guten Eindruck. Leider kam nicht viel Hörbares bei uns an. Schade eigentlich, zählt die Nordkurve Nürnberg doch zum Besten was die Bundesliga zu bieten hat.

Fotos vom Spiel:
Desperados Dortmund 1999
Schwatzgelb.de
Gib mich die Kirsche
Faszination Nordkurve

Orte ohne Worte

[w+] Diese Welt ist schön. Es gibt so viele schöne Orte auf diesem Planeten, Orte, die soviel Magie ausstrahlen, dass man immer wieder dort hin zurück will, ja vielleicht sogar muss. Es gibt aber auch Orte, die keine Sau jucken, und Orte, die man nur durch Zufall entdeckt, die aber das Gewisse etwas haben. Allerdings gibt es auch Orte, die man nie erreichen möchte, an denen man nie sein will und genau weiß, dass man sich sein ganzes Leben daran halten wird. Und dann sind da leider auch Orte, die man eigentlich der vorgenannten Spezies zurechnet, die aber dennoch hin und wieder angesteuert werden. Nur musst Du Dich auf der Reise so sehr betäuben, um den Schmerz und das Unwohlsein während des Aufenthalts nicht auf die Art spüren zu müssen, die ein klarer Verstand nicht auszuschalten in der Lage ist. Sinsheim und Hoffenheim, zwei gottverdammte Nester irgendwo in der baden-württembergischen Pampa sind so Orte.

Neben diesen verschiedenen Orten kennt sicherlich auch jeder diese zwei Wesen in einem, die um Dich und Dein Gewissen kämpfen. Das eine drängt Dich dazu, so zu handeln wie Dein Kopf Dir vorzugeben versucht. Es sagt, Du sollst ruhig zuhause bleiben, Dir diesen ganzen Krampf in Hoffenheim nicht antun. Auf der anderen Seite spricht ein noch penetranteres Wesens für Dein Herz und sagt Dir, dass Du Deine Leidenschaft nicht von Konstrukten wie Hoffenheim samt seiner Strippenzieher kaputt machen lassen darfst. Es treibt Dich an, doch zu fahren, vor Ort Deinen Unmut zu äußern, zu hoffen, dass die Guten siegen werden. Es sagt Dir aber auch, um den großen Streit mit seinem Widersacher zu vermeiden, dass Du Dir die Hirse frittieren sollst, um die ganze Scheiße da unten zu ertragen. Wenn dann alles vorbei ist, und Du am Morgen danach mit noch leicht schwammigen Blick aus Deinem Bett krabbelst, weißt Du, dass beide Wesen scheiße sind und miteinander nicht in Deinem Körper existieren können. Das eine hat Dich in diese Fußballhölle getrieben und das andere hat Unmengen Bier in Dich hineingeprügelt, wofür sich Dein Körper nun mit allerlei Wehwechen rächt.

Jetzt mal unter uns und ganz im Ernst, Hoffenheim auswärts geht einfach gar nicht. Egal wie das Spiel ausgeht und wie man an- und wieder abreist, man hat schlechte Laune und hasst sich selbst dafür, sich diesen ganzen Scheiß ein weiteres Mal angetan zu haben. Du weißt schon vorher, worüber nach dem Spiel wieder diskutiert wird, und Du weißt ebenfalls, dass die Hoffenheimer Verantwortlichen wieder rumjammern, wie schlecht sie doch behandelt werden. Dann kommt wieder diese unerträgliche Gutmenschen-Leier über Herrn Hopp und die ollen, langweiligen Geschichten über seine Verdienste für die ganze Region, alles belangloses Blabla – das interessiert mich heute nicht und wird mich morgen erst recht nicht interessieren. Es ist doch vollkommen klar, dass die Anti-Hopp-Fraktion nie ruhig sein wird, solange es so eine Front aus Wasch- und Jammerlappen geben wird, die sich gegen die Diffamierungen stellt. Das ist doch absolutes Kindergartenverhalten, im Übrigen von beiden Seiten. Wenn man immer und immer wieder rumheult, dass die anderen Kinder einen ärgern, werden diese doch nie nachgeben. Da macht das Ärgern doch nur noch mehr Spaß. Erst wenn die anderen Kinder merken, dass ihr ständiges Beißen und Stechen keinen Effekt mehr erzielt, wird es für sie langweilig und sie suchen sich was anderes zum Spielen. Wenn Dietmar Hopp nicht so dünnhäutig wäre und gelassener mit all dem umgehen könnte, wären die Beleidigungen ganz sicher nicht mehr in dem Maße vorhanden, wie sie es immer noch sind.

Und die Anekdoten rund um Spiele zwischen Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim sind seit dem vergangenen Wochenende um ein „ruhmreiches“ Kapitel reicher. Die bekannten Rufe und Gesänge, zu denen man aufgrund der Art und Weise sicherlich geteilter Meinung sein kann, wurden von der Stadiontechnik mit einem komischen Summton versucht zu übertünchen. Der gewünschte Effekt blieb natürlich aus, die Gesänge wurden in ihrer Intensität noch einmal gesteigert und selbst Leute, die sich dieser Art der Kritik/Beleidigung normalerweise entziehen stiegen mit ein. Denn Zensur und Unterdrückung sind keine von normalen Menschen akzeptierten Methoden. Die von einer Dortmunder Internetplattform geäußerte und auch strafrechtlich angezeigte schwere Körperverletzung ist natürlich totaler Murks und mindestens genauso albern wie der Ton selbst – niemand wurde durch den zugegeben nervtötenden Ton körperlich verletzt. Genauso peinlich sind die Stimmen, die hier und da im Internet einen Sieg am grünen Tisch fordern. Schließlich sind solche Einspielungen über die Stadionmikros in der Spielregelung des DFB/der DFL untersagt. Wir haben sportlich nicht gut ausgesehen und müssen auch gute Verlierer sein. So kann schnell der Eindruck entstehen, als wäre nämlich genau das nicht der Fall. Und schlechte Verlierer sind schlechte Sportsmänner. Und schlechte Sportsmänner will ich in unserer Mannschaft und unserem Verein nicht sehen. Außerdem plädierte unserer Elf nach dem Spiel in Sevilla an gelebtes Fair Play. Das könnten sich auch viele Anhänger des BVB auf die Kappe schreiben. Ich möchte und werde deshalb keine Strafen fordern, mir wäre es schlicht und ergreifend egal, ob die TSG eine Geldstrafe aufgebrummt bekommen oder nicht. Was mich wirklich freuen würde, wäre aber was ganz anderes. Nämlich schlechte Presse, die hoffentlich nach der gestrigen Pressemitteilung der Hoffenheimer kommen wird. Denn in dieser Pressemitteilung bestreitet die TSG, einen solchen Ton eingespielt zu haben und behält sich rechtliche Schritte gegen anders verlautende Meldungen vor. Eine Farce sondergleichen, die mich irgendwie stark an die Posse um den ehemaligen irakischen Informationsminister Muhammad as-Sahhaf während des dritten Golfkriegs erinnert.

Abschließend geht mein Gruß heute stellvertretend an Oliver Kahn und Uli Hoeneß, die in ihrem Leben bereits von vielen Fankurven über Jahre hinweg teilweise aufs Übelste beleidigt wurden, dies aber hingenommen haben wie Kerle und dadurch auch Motivation und Ansporn gezogen haben. Hiervon könnten sich gewisse Personen mal eine Scheibe abschneiden.

Fotos vom Spiel:
Desperados Dortmund 1999
Schwatzgelb.de
Gib mich die Kirsche

[w+] Ich habe lange überlegt, wie ich den ersten Spielbericht der neuen Saison anfangen soll. Ich habe mich für einen Weg entschieden, der nicht auf die vorherrschende „Über“-Euphorie aufspringt – ich zitiere mich eingangs einfach mal selber. Im Januar dieses Jahres nach dem ersten Spiel der Rückrunde und einem großartigen 3:1 in Leverkusen ging der folgende Artikel hier in diesem Blog online.

Auf dem Teppich bleiben auch wenn er fliegt

[w+] Ich bin in Sachen Borussia Dortmund ein zurückhaltender Vertreter. Ich laufe nicht durch die Welt und posaune rum, wie sicher wir schon Meister sind, ich denke, dass ich meine Nase in Fußballgesprächen mit Fans anderer Vereine nicht zu hoch trage und nie übertrieben argumentiere. Hier und da mal im Spaß, aber nicht so wie viele andere Anhänger meines Vereins. Ich hasse sowas, Arroganz ist eine widerliche Eigenschaft. Es ist aber so, dass sich die Anzeichen mehr und mehr verdichten, dass im Mai die Schale in Dortmund durch die Stadt gefahren wird. Denn wer nach 18 gespielten Runden mit zwölf Punkten Vorsprung Tabellenführer ist, muss sich so langsam aber sicher mit dem Gedanken anfreunden, auch nach 34 Spieltagen auf dem ersten Platz zu stehen.

Ich finde es dennoch gut, dass von Vereinsseite aus, zumindest öffentlich, der Deckel drauf gehalten wird und niemand rumtönt, dass man auf jeden Fall Meister wird oder gar jetzt schon ist. Das können die Bayern oder andere machen, die sympathischere Variante ist das Understatement unserer Vereinsbosse, von dem sich einige Anhänger mal eine Scheibe abschneiden könnten. Mir ist es egal, wenn Fans anderer Vereine Borussia Dortmund nicht mögen, sie müssen auch uns Fans nicht mögen. Aber ich mag es nicht, wenn man uns Arroganz und Hochnäsigkeit vorwirft und in weiten Teilen mit diesen Vorwürfen Recht hat. Ich möchte gar nicht von allen gemocht werden, keineswegs, aber ich möchte, dass man uns mit Respekt begegnet. Und hochnäsigen Pennern könnte ich nur schwer Respekt entgegen bringen.

Zum Spiel am Freitag will ich gar nicht viel schreiben, diese Emotionen während des Spiels und speziell in den spielentscheidenden sechs Minuten kann und möchte ich ehrlich gesagt auch gar nicht in Worte fassen. Das muss man einfach miterlebt haben.

Danke für diesen großartigen Abend, Jungs!

Wie sich die Dinge doch manchmal gleichen. Damals wie letzten Freitag haben wir zum Auftakt einer Halbserie mit 3:1 gewonnen und nach beiden Siegen sprach man allerorten schon vom Meisterschaftsfavoriten Borussia Dortmund. Sicherlich nicht unbegründet, auch dieses Jahr muss sich unser Verein im Kreis der Titelaspiranten sehen – ob er will oder nicht. Auch wir Fans dürfen uns auf eine großartige Saison freuen, schließlich steht neben den beiden Tagesgeschäften Bundesliga und DFB-Pokal auch nach acht Jahren wieder die Champions League auf dem Terminplan. Aber es wäre schön und vor allem sympathisch, wenn das Umfeld sich unserem Verein anpassen würde und auf dem Teppich bliebe. Träumen darf natürlich währenddessen erlaubt sein, aber die Ansprüche müssen realistisch bleiben. Und vor allem rennt man nicht laut tönend durch die Weltgeschichte. Es heißt ja nicht umsonst ‘Hunde die bellen beißen nicht’.

Jetzt noch schnell ein paar Worte an die Presse, dann geht es aber wirklich mit den schönen Erinnerungen an den Freitagabend los. Hört mit den unangebrachten Vergleichen auf. Borussia Dortmund ist nicht der FC Barcelona und Mario Götze ist nicht Lionel Messi. Und wir spielen auch keinen Tikki-Takka, oder wie das System der Katalanen auch immer heißen mag. Wir sind Borussia Dortmund, Mario Götze ist Mario Götze und wir spielen unseren eigenen Fußball und kopieren nicht anderer Leute Konzepte. Kommt mal alle wieder klar!

Aber es wurde auch Fußball gespielt, Fußball der die Leute im Stadion und vor den Fernsehgeräten in 199 Ländern begeisterte – zumindest größtenteils, denn nach dem 3:0 gingen unsere Mannen etwas von Gas. Aber auch das Gegentor des HSV brachte uns nicht mehr ins Wanken, so dass der Auftaktsieg perfekt war.

Perfekt war auch das Bild auf der Südtribüne als die genauso nervig wie lieblos gestaltete Eröffnungszeremonie der DFL samt Nationalhymne (braucht auch kein Mensch) endlich Geschichte war. Initiiert durch die Desperados Dortmund 1999 schmückten circa 800 Meisterschalen aus Pappe die Mittelblöcke der Süd, welche von Luftballons, Pilskragen, Wurfrollen im Oberrang und den Außenblöcken und Konfetti-Kanonen unten am Zaun umrandet wurden. Gekrönt wurde dieses wirklich grandiose Bild durch ein überdimensionales Banner mit der Aufschrift „Deutscher Meister – Borussia Dortmund“, welches zum Einlaufen beider Mannschaften am Zaun vor der Südtribüne prangte. Auch auf der Gegenseite gab es eine kleine Aktion. Blaue Pappen umrandeten die HSV-Raute, dazu gab es noch einmal das Spruchband, welches schon beim Pokalspiel in Oldenburg den Gästeblock verzierte. Vor dem Spiel prangte mal wieder das „Hamburg City ist da“-Banner vorm Oberrang. Ist das jetzt so eine Art Running Gag, werte Hamburger?

Während des Spiels war auf den Rängen auch eine Menge los. Passend zum Spiel des BVB legte auch die Süd, teilweise vom Rest des Stadions unterstützt, los wie die Feuerwehr. Erst in der zweiten Halbzeit, parallel zum Nachlassen der Elf auf dem Rasen, ebbte auch die Stimmung etwas ab. Die Messe war gelesen, wir haben unseren Teil zum Sieg beigetragen und auch das feucht-warme Wetter am Freitag tat sein übriges. Trotzdem bin ich mit dem Saisonstart der Kurve vollends zufrieden. Darauf lässt sich in den kommenden Wochen aufbauen. Auch die Hamburger waren schon schlechter. Alles in allem ein toller Fußballabend vor fast nicht zu übertreffender Kulisse!

Danke für diesen großartigen Abend, Jungs!

Bilder vom Freitag gibt es u. a. hier:
Desperados Dortmund 1999
schwatzgelb.de
Gib mich die Kirsche
Chosen Few Hamburg 1999

Jetzt geht es nach Sinsheim und dort gilt nur eins: Hoffenheim demontieren!

[w+] Im Sandhausen-Spielbericht sprach ich meine Wünsche für die zweite Pokalrunde an:

Nach dem Pflichtsieg in Sandhausen hoffe ich für die kommende Runde auf einen attraktiven Gegner mit einer guten Fanszene [...] Für die zweite Runde wäre mir ein Heimspiel lieb, allerdings könnte ich mich auch mit einem nahegelegenen Auswärtsspiel anfreunden. Meine Urlaubstage und meine hart verdienten Kröten möchte ich ganz gerne für die Champions League aufsparen.

War die erste Runde nichts Halbes und nichts Ganzes, ist die zweite Runde nur Ganzes, zweifelsohne. Das Los meinte es gut mit uns, denn Ende Oktober gastiert die SG Dynamo Dresden unter Flutlicht im Westfalenstadion. Für solche Lose und Paarungen liebe ich den Pokal. Fußballherz was willst Du mehr?

[w+] Ich halte nichts von Früher-war-alles-besser-Leuten, ehrlich nicht. Solche Menschen gehen mir auf den Sack, und zwar gewaltig! Der Rückblick aber, den Kai Tippmann (Übersetzer von Tifare Contro und Cani Sciolti) in seinem Blog Altravita.com geschrieben hat, ist so schön, dass er verbreitet werden muss.

Weißt Du noch, damals?

Hey, Fußball, bist du noch wach? Hab grade an dich denken müssen und…naja, ich schreib dir einfach mal. Weißt du noch, damals vor 30 Jahren? Eigentlich war schon auf den ersten Blick war klar, dass es was ernsteres werden sollte. Ich erinnere mich noch an jedes Detail unseres ersten Mals. Dein Duft nach Bier und Filterlosen, nach Schweiß und Staub. Es war ein unsäglich heißer Juninachmittag, als ich dir das erstemal in die Augen schaute und du einfach so zurückgelächelt hast. Ich wollte nie wieder irgendwoanders sein. Seitdem haben wir unendliche Stunden miteinander verbracht, in Reichsbahn-Zügen, Ikarus-Bussen oder auf stinkenden Motorrädern aus Zschopau, zu viert auf einem rostigen Geländer oder die blauen Sitze des zweiten Oberrings im San Siro-Stadion herunterrollend. Betrogen habe ich dich nie, das ist nicht der Grund und das weisst du ja auch. Ich schaue auch heute noch, was du so machst, selbst wenn es weh tut.

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Einstiegsdroge

[w+] Jaja, die erste Pokalrunde. Sie ist nichts Halbes und nichts Ganzes, viel mehr ist sie vergleichbar mit einer Einstiegsdroge. Nach längerer Abstinenz giert man nach ihr, aber so richtig pusht sie dich dann doch nicht. Erst mit dem ersten Liga-Spieltag knallt es wieder so richtig rein. Und wenn man die Einstiegsdrogen der letzten Jahre miteinander vergleicht, so ist der SV Sandhausen eine bis ans Limit gestreckte Droge für absolute Weicheier. Sie versetzt Dich in einen lachhaften Rausch, den man am Tag danach schon wieder bereut. Aber für die Dauer des Rausches geht es einigermaßen, man fühlt sich nicht schlecht aber auch nicht wohl – man weiß halt, dass man sich ganz mieses Zeug gepumpt hat. Das einzig Positive im Nachgang ist, dass man nicht komplett weg vom Planeten war und sich nicht für irgendwelche dämlichen Handlungen rechtfertigen muss.

Als ich gestern Morgen aufgewacht bin, war ich froh, dass keine Rechtfertigungen nötig waren, die Blamage, die einige andere Erstligisten über sich ergehen lassen mussten, blieb aus. Ein Lächeln strich über mein Gesicht, alsbald besann ich mich aber der letzten beiden Jahre, als das Ausscheiden gegen einen Drittligisten erst in der zweiten bzw. dritten Runde kam. Aber wie im letzten Blogeintrag schon erwähnt, beginne ich in dieser Saison damit, die Negativhaltung zum Pokalwettbewerb langsam abzuschütteln und positiv gestimmt an die Thematik heran zu gehen.

So positiv wie ich in Zukunft über den Pokal denken will, ging auch unsere Elf an den Start und ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen, wer an diesem Samstagabend den Rasen als Sieger verlassen wird. Auch wenn man nicht vergessen darf, dass es sich mit Sandhausen um einen Drittligisten handelt, fand ich es schön anzusehen, wie sich unsere Elf durch das Mittelfeld nach vorne kombinierte. Das Potenzial war auf jeden Fall wieder zu erkennen, obwohl die Mängel in der Chancenverwertung auch in Sandhausen wieder erkennbar waren. An diesem Rädchen muss im Training noch weiter gedreht werden. 

Nach dem Pflichtsieg in Sandhausen hoffe ich für die kommende Runde auf einen attraktiven Gegner mit einer guten Fanszene. Die gab es im Hardtwaldstadion leider nirgends zu erblicken. Die größere der beiden Hintertortribünen versuchte sich zwar zum Einlaufen der Mannschaften an einer simplen Papptafel-Choreographie, allerdings ging die genauso in die Buchse wie das Folienbahnen-Intro des kleinen Stehplatzblocks auf der gegenüberliegenden Tribüne. Den Vogel schossen die Heimfans damit ab, als sie versuchten, uns mit beeindruckender, bei ultras.ws aufgesogener Mentalität zwei, drei Fanshop-Fahnen unter die Nase zu halten, welche dann auch noch ganz dem Stereotyp entsprechend zerrissen wurden. Vielleicht war auch das der Grund, warum der Block der Hardtwaldfront nach Spielende zur eigenen Sicherheit mit einer Blocksperre belegt wurde. Man weiß es nicht.

Wir rissen auch keine Bäume aus. Bedingt durch die späte Ankunftszeit der TU-Busse und dem schon proppevollen Gästeblock standen Dortmunds Ultras leider nicht vereint sondern getrennt. Aber auch das darf keine Entschuldigung für diese erste Halbzeit sein, denn die war von vorne bis hinten eine absolute Frechheit. So dürfen sich Fans und Ultras von Borussia Dortmund nicht präsentieren! In der zweiten Halbzeit zeigte der Pfeil aber leicht nach oben, wenngleich ich die zu eintönigen und ruhigen Phasen nicht unter den Teppich kehren will. Insgesamt ein sehr mäßiger Start der Kurve in die neue Saison. Wollen wir hoffen, dass die Südtribüne, allen voran Block Drölf, am Freitag gegen den Hamburger SV den Schalter umlegen kann. So ein richtiger Heimspielrausch mit tausenden durchdrehenden Leuten halt.

Für die zweite Runde wäre mir ein Heimspiel lieb, allerdings könnte ich mich auch mit einem nahegelegenen Auswärtsspiel anfreunden. Meine Urlaubstage und meine hart verdienten Kröten möchte ich ganz gerne für die Champions League aufsparen.

Saisoneröffnung

[w+] Das Warten hat endlich ein Ende. Nach all der fußballlosen Zeit beginnen an diesem Wochenende endlich wieder die Pflichtspiele und die Zeit der sportlich belanglosen Vorbereitung nimmt ein Ende. Auch der Supercup vom vergangenen Wochenende hatte für mich keinen Wert, daran hätte auch ein Sieg nichts geändert. Nur stört es mich, mit welchem Hohn auf die Freude der Blauen nach dem Sieg geäugt wurde. Das entsprach mal wieder dem Stereotyp des BVB-Fans. Vor dem Spiel große Fresse, verliert man aber spielt man die Niederlage in einem ach so unbedeutenden Spiel herunter und pflichtet dem Ganzen keine große Bedeutung mehr bei. Hätte unsere Elf aber gewonnen, würde das wieder ganz anders aussehen und man hätte sich in ähnlicher Art und Weise gefreut. Für mich gibt es nur drei Wettbewerbe, die wirklich zählen. Die Bundesliga, der DFB-Pokal und der Europacup. Alles andere ist uninteressant. Aber gut, lassen wir das Thema ruhen, schließlich möchte ich nicht gleich im ersten Post nach ellenlanger Pause in alte Muster verfallen.

Am Samstag geht es nach Sandhausen, was uns da erwartet? Keine Ahnung, ich hoffe ein deutlicher Sieg, denn als Deutscher Meister wäre es doppelt peinlich gegen einen namenlosen, unterklassigen Verein aus dem Pokal zu fliegen. Dieser grenzenlose Pessimismus, der mich bis vor ein paar Jahren begleitet hat, wenn es um den DFB-Pokal ging, ist mittlerweile verflogen. Denn so schlecht waren die letzten Jahre im Vereinspokal nicht. In den meisten Dortmunder Köpfen wird dieser Pessimismus aber auf ewig verankert bleiben. Dass mich das nervt, muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder? An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass ich auf Smileys in meinen Texten verzichte, nach dem vorangegangenen Fragezeichen darf sich aber eins hinzugedacht werden. In Zukunft werde ich auf diese Hinweise verzichten, jeder muss selbst herausfinden, was ich wohl mit einem zugekniffendem Auge geschrieben haben könnte.

Nach der ersten Pokalrunde dürfen wir am 05.08.2011 als Deutscher Meister die neue Bundesligarunde eröffnen. In Bezug auf die Liga habe ich zurzeit noch gar keine großen Erwartungen, ich glaube, dass am Ende der Saison die Qualifikation für den Europapokal ganz okay wäre. Ich fänd es falsch, wenn man dieser jungen Mannschaft die Titelverteidigung abverlangen würde. So vermessen ist aber niemand in und um Dortmund herum. Dass man als Meister natürlich verstärkt im Focus des allgemeinen Interesses steht, ist natürlich klar, aber ich hoffe, dass man unserer Mannschaft die nötige Ruhe lässt und auch Niederlagen mehr oder weniger gelassen hinnimmt. Diese Elf ist nämlich trotz ihrer jüngsten Erfolge noch verdammt jung und noch lange nicht ausgelernt – vergesst das nie!

Bis der dritte Wettbewerb startet, braucht es noch ein wenig Geduld. Aber auf die Champions League dürfen wir uns alle freuen, vor allem auf die Auswärtsspiele. Ich bin echt gespannt, wen wir zugelost bekommen. Mit den Lostöpfen habe ich mich noch gar nicht beschäftigt, weshalb ich an dieser Stelle einfach mal ins Blaue schwadroniere. Ich hätte gerne einen Gegner aus Griechenland, einen aus Italien und einen aus osteuropäischen Gefilden. Generell ist es mir aber egal, die Hauptsache ist nämlich, dass Borussia Dortmund endlich wieder im Geschäft der Großen mitspielen wird. Und zwar als Meister und nicht als Vize oder als über die Qualifikation hinzugestoßener Verein. Genießt die Spiele gegen internationale Spitzenvereine, oder die die sich für so einen halten.

Noch einmal zurück zur Bundesliga. Letzten Sommer habe ich eine Saisonvorschau geschrieben, in der ich alle Gegner in der Liga ganz sachlich und natürlich total objektiv bewertet habe. Dies will ich in diesem Jahr nicht wiederholen, schließlich hat sich zum einen das Teilnehmerfeld nur um zwei Vereine geändert und zum anderen ist meine Meinung zu den Konkurrenten dieselbe. Nur die beiden Aufsteiger (ich wünschte die verkackten Gladbacher wären abgestiegen und es gäbe drei) werden von mir unter die Lupe genommen. Der Tipp der Abschlusstabelle 2011/12 wird nicht vorgenommen, dafür war der letztjährige einfach zu jämmerlich, immerhin konnte ich das mit den „Strafbieren“ am 34. Spieltag hervorragend in die Tat umsetzen.

FC Augsburg: Zum FCA habe ich keine richtige Meinung. Außer dass ich sie langweilig und nicht erstligatauglich halte, kann ich nicht viel sagen. Würde der FCA noch im Rosenaustadion spielen, würde ich mich sogar ein bisschen auf die Fahrt nach Augsburg freuen, aber dadurch, dass auch der FCA seit einiger Zeit in einem mausgrauen Neubau spielt, bin ich froh, wenn das Spiel dort hinter uns liegt und der FC Augsburg nach nur einem Jahr in der Bundesliga wieder abgestiegen ist. Fazit: Muss ich nicht haben.

Hertha BSC: Hier handelt es sich um das genaue Gegenteil der Augsburger. Hertha BSC gehört ohne Wenn und Aber in die erste Liga. Großer Verein, geniales Stadion, gute Heimkurve und Berlin muss, so ausgelutscht das klingen mag, als Hauptstadt natürlich in der Bundesliga vertreten sein. Außerdem habe ich eine persönliche Bindung zu Hertha BSC. Ich habe nämlich am 27.10.1990 mein erstes Spiel im Westfalenstadion gegen Hertha gesehen. Allerdings wählte ich damals diesen Gegner aus ganz einfachen Gründen aus. Die Berliner waren Tabellenletzter und als kleiner Steppke will man natürlich einen Sieg seines Clubs sehen. Damals habe ich alles richtig gemacht, denn der BVB gewann, nachdem er lange 0:1 zurücklag durch späte Tore von Frank Mill, Michael Zorc und Günter Kutowski noch mit 3:1. Aus diesem Grund habe ich Hertha BSC immer positiv in meinem Kopf. Fazit: Ich freue mich auf die beiden Spiele.

Sommerpause 2011

[w+] Nach „Dortmunds Straßen“ und einigen anderen richtig guten Tracks, kommt nun das neue Album „Zeitspiel“ von Der E1ne. Die erste „Auskoppelung“ „Ohne Uns“ ist schon so was von fett, dass man auf das Album nur sehnsüchtig warten kann. Denn auch das Snippet zum Album verspricht schon so einiges. Hören, mögen und weiter streuen!

…halt Dich an den E1NEN statt an Fler oder Baba Saad!

[w+] Knapp zwei Wochen ist es her, aber immer noch ist es nicht einfach, all die Eindrücke und Erlebnisse des Meisterwochenendes in Worte zu fassen. Dennoch möchte ich heute einen Versuch starten, ohne allerdings zu wissen, was am Ende dabei herum kommen wird. Los geht’s!

Es ist der 14. Mai 2011, es ist ein Samstag und der 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga-Saison 2011/11 steht auf dem Plan. Eigentlich ist alles schon vorbei, wir sind schon zwei Wochen Deutscher Meister und könnten das letzte Spiel gegen die Frankfurter Eintracht gemächlich angehen. Doch trotz der absoluten Gewissheit, dass uns nichts und niemand mehr vom Fußballthron stürzen kann, machte sich in mir Nervosität gepaart mit Vorfreude breit. Borussia Dortmund nennt mittlerweile sieben Meistertitel sein eigen, von denen ich vier live und in Farbe miterlebt habe, also direkt im Stadion. Aber die Feierlichkeiten rund um den jüngsten Titel haben alles bisher Erlebte in den Schatten gestellt. Die Sause nach dem Spiel gegen Nürnberg war schon für Fortgeschrittene, wie sollte dann erst dieses Wochenende werden? Im Endeffekt war das der Grund warum es in meiner Magengegend grummelte, das Sportliche war mir mehr oder minder egal. Ich freute mich wie eigentlich alle bereits vor dem Spiel schon auf die Feierlichkeiten danach. An diesem Tag durfte das sein! Allerdings war es wichtig, nicht zu lasch ins Spiel zu gehen, damit hinterher niemand hätte sagen können, der BVB praktiziere Wettbewerbsverzerrung. Aber das ist ja eh kalter Kaffee, denn nach dem Rückstand drehten unsere meisterlichen Helden die Partie noch zu unseren Gunsten, so dass dieser Vorwurf spielerisch im Keim erstickt werden konnte. Für die Eintracht tut es mir leid, denn ich hätte gerne gesehen, wie der VfL Wolfsburg mit seinem Wundertrainer Felix Magath den Gang in die 2. Bundesliga hätte antreten müssen – aber sei es wie es sei.

Je näher das Ende des Spiels kam, desto mehr löste sich die Stimmung im Stadion. Allerdings kam auch der Zeitpunkt, an dem unser Stadionsprecher wieder in gewohnt gelassener und überhaupt nicht hysterischer Art versuchte, einen Platzsturm zu verhindern. Die im Vorfeld und im Spiel wiederholten Bitten, ja nicht den Rasen zu stürmen, nervten gewaltig und als Norbert Dickel versuchte, mit einem Lied über die Stadionanlage für Ruhe zu sorgen, schämte ich mich in Grund und Boden. Weil die DFL eine klinisch reine Übergabe der Schale fordert und auch noch die menschenfressenden Frankfurter Horden vorschiebt, lässt sich unser Verein vor den Karren spannen und spielt dieses peinliche Spiel voll und ganz mit. Für mich persönlich ist ein Platzsturm nicht von großer Bedeutung, allerdings ist es sehr schön, alle Jubeljahre nach großen Triumphen über das Grün zu schlendern. Waren diese Platzbegehungen, wie ich sie mal nennen möchte, um das martialische Wort Sturm zu umgehen, bei den drei vorangegangenen Meisterschaften nicht der Hauch eines Problems, wurde es dieses Mal bis zum Erbrechen hochsterili äääh hochstilisiert. Ich brauchte ein paar Minuten um diese Fremdschäm-Attacke zu verdauen, ganz ehrlich.

Aber neben dieser allgemeinen Kritik möchte ich noch was loswerden. Wenn die Verantwortlichen, die immer und immer wieder diese Floskel „Nach Duisburg hat sich alles verändert“ in den Mund nehmen, sehen, dass ein Teilbereich des Zauns vor der Süd schon nachgegeben hat und einen keinen Spalt bietet, durch den unzählige Fans auf den Rasen gelangen muss ein Umdenken erfolgen. Das ist der Moment, der einen dazu veranlassen muss, die Forderungen der DFL oder sonst wem zu vernachlässigen und die Sicherheit der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Ob diese daran nun selber Schuld tragen oder nicht ist vollkommen egal. Ich stand für eine Weile sehr nah an diesem besagten Bereich und musste mit ansehen, dass es immer enger wurde. Wenn hunderte Leute durch ein Nadelöhr im Zaun zu drängen versuchen, kann das eigentlich nicht gut ausgehen. Zum Glück ist hierbei nichts passiert. Die Ordner drumherum bestachen auch nicht durch Unterstützung und pochten entweder auf die Vorgaben von oben oder darauf, dass die Tore nicht zu öffnen seien. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den besonnenen Personen bedanken, die auf dem Zaun stehend dafür gesorgt haben, dass zum einen das Tor nach oben weggedrückt wurde, um mehr Platz zu schaffen und zum anderen, dass dadurch nichts Schlimmes passiert ist. Um das Thema abzuschließen möchte ich den BVB und alle zuständigen Instanzen auffordern, mitzudenken und nicht auf Vorschriften oder irgendwelche Vorgaben zu pochen. Wenn der Fall, den man verhindern möchte, nicht verhindert werden kann, muss entsprechend reagiert werden. Und zwar so, dass Menschen nicht zu Schaden kommen können. Ob dadurch dann irgendwelche Fernsehbilder nicht mehr dem Ideal irgendwelcher Funktionäre entsprechen oder nicht, sollte hierbei keine Rolle spielen. So, das Thema ist für mich damit nun abgehakt.

Als dieser Moment überstanden war schlenderte auch ich über den Rasen und die kurzzeitig unterdrückte Freude bahnte sich wieder ihren Weg nach draußen. Achso, bevor ich es vergesse, die Schale wurde zu diesem Zeitpunkt schon lange übergeben und der Feiermarathon konnte langsam aber sicher beginnen. Was danach bis in die frühen Stunden des Montags in Dortmund los war, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Eine sehr weise Frau beschrieb das Wochenende folgendermaßen: „Der Mensch neigt zwar zu Superlativen, aber so geil wie an diesem Wochenende habe ich noch nie gefeiert!“ Recht hat sie!

Diesen Titel und diese Wochen haben wir uns redlich verdient. Haltet die Gedanken an das Erlebte in Ehren und erzählt Euren Kindern und Kindeskindern davon. Auf dass unsere Borussia bis in alle Ewigkeit ihre Magie niemals verlieren mag.

Borussia Dortmund – Nur wir! Niemals wie Ihr!

Vernetzt #3

[w+] Ich hatte Regelmäßigkeit versprochen aber meines Wesens entsprechend kann ich nur mit Unregelmäßigkeit dienen. Aber egal, war der zweite Teil eine Spezialausgabe zu den Irrungen und Wirrungen rund um den FC Bayern München, dreht sich die heutige Ausgabe vermehrt um die heimische Borussia und zwei fußballfremde Blogs. Achso, bevor ich es vergesse, ein Text zum Meisterwochenende wird irgendwann folgen, ich muss die Bilder in meinem Kopf noch in die richtige Reihenfolge bringen. Noch sind sie gemischt wie ein Memory-Spiel. Aber der Text kommt, versprochen, schließlich kommt der zweite Teil zum Pokalfinale 2008 auch noch – irgendwann…

Genug der leeren Versprechen, jetzt kommen Fakten!

Der Blog Plakatieren verboten dokumentiert einen Sticker, der das Krümelmonster zeigt, welches einen Keks in Form des BVB-Wappens futtert. Auch wenn Krümel damit quasi meinen Verein verspeist, musste ich grinsen, denn das Teil gefällt mir trotzdem gut. Der Aufkleber fällt in die Kategorie „Viel Feind, viel Ehr“.

Gestern war der 19.05.2011 und das Hinspiel des Relegationsduells zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Bochum. Das späte Tor und die dadurch gute Ausgangslage für die Fohlen fand ich nicht gut, aber so ist das im Fußball nun einmal – wir sind hier nicht bei „Wünsch Dir was“. Aber vielmehr als auf das gestrige Spiel möchte ich auf ein Spiel vor 25 Jahren aufmerksam machen. Am 19.05.1986 war ebenfalls Relegation. Es stand damals das Rückspiel zwischen Fortuna Köln und Borussia Dortmund im Westfalenstadion auf dem Plan, welches unser BVB zwingend mit zwei Toren Differenz gewinnen musste. Das späte Tor durch Jürgen Wegmann ist mittlerweile Legende. Der 19.05.1986 und das darauf folgende dritte Entscheidungsspiel in Düsseldorf, welches souverän mit 8:0 gewonnen werden konnte, sind nicht nur Meilensteine in der Vereinsgeschichte, sondern auch die Basis für die Borussia der 90er-Jahre, welche wiederum das Beinahe-Ende 2004/05 verursachten. Was infolgedessen passierte wissen wir mittlerweile alle. Der BVB ist Deutscher Fußballmeister 2011. Darauf ein dreifaches YEAH, YEAH, YEAH! Achso, ein Fan der Kölner Fortuna erinnerte gestern in seinem Blog an die für uns so glorreichen Spiele von damals.

Neben der Relegation war an einem 19.05. noch ein einschneidendes Ereignis. Vor 10 Jahren nämlich wurde der FC Schalke 04 Deutscher Meister, “leider“ nur der Herzen. Die Geschichte der „Vier Minuten im Mai“ ist seitdem ein Evergreen überall dort, wo sich Borussen über Fußball unterhalten. Was ein Freudentag.

Weil Fußball nicht alles im Leben sein kann, kommen wir nun zur Musik. Wer sich wie ich für Rap-Musik begeistert und sein Herz schon vor über 15 Jahren an diese Musik verloren hat, dem wird der Blog 90erHipHop sicherlich sehr gefallen. Dort habe ich in den letzten Monaten des Öfteren schon lange vergessene Klassiker wieder entdeckt, so dass der Blog mit der Zeit eine Pflichtstation auf meinen regelmäßigen Tripps durchs Netz ist.

Abschließend möchte ich Euch noch einen herausragenden Blog ans Herz legen. Der Journalist Scot W. Stevenson ist ein in Deutschland lebender Amerikaner und Journalist. In seinem Blog USAerklärt erklärt er, wie der Name schon vermuten lässt, die USA und die Eigenarten seiner Heimat. Mit das Beste und Interessanteste, was ich im Internet bisher gelesen habe. Pflichtlektüre!

Fußballhauptstadt

 [w+] Eine Stadt bereitet sich auf ein großes Wochenende vor. Wer immer das auch war, es gefällt mir!


Bildquelle: Ruhr Nachrichten

[w+] Ein Auswärtsspiel als schon feststehender Deutscher Meister ist natürlich prädestiniert dazu, entspannt zu reisen und sich das ein oder andere Kaltgetränk zu gönnen. So wurde die Fahrt nach Bremen auch ein recht süffiger Betriebsausflug der schwarzgelben Bagage, die eine 0:2-Niederlage sehen musste, sich dadurch aber nicht aus der Feierlaune bringen ließ. Vorm Spiel gab es eine schicke Aktion der Jubos, die aus Fahnen, Wurfrollen und Folienballons bestand und durch das passende Spruchband “Mit der Schale in der Hand – außer Rand und Band!“ abgerundet wurde. Da alles ein sehr chaotisches Bild abgab, gefiel mir das wirklich gut. Ich stehe nicht auf am Reißbrett geplante Aktionen. Fankurven müssen wild und chaotisch sein, das macht den Reiz aus. Nun steht das Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht an, die ein wahres Endspiel hat, welches sie gewinnen muss. Gleichzeitig muss die SGE noch auf Ausrutscher von Mönchengladbach und Wolfsburg hoffen, dass das Wunder vom Main Wirklichkeit wird. Das Wunder vonne Ruhr ist schon seit etwas mehr als einer Woche wahr, so dass wir die ganze Geschichte entspannt angehen lassen können und uns auf ein großartiges Meisterwochenende freuen können. Ich freu mich drauf!

Heute „schlug“ dann die Nachricht vom Wechsel Nuri Sahins ein, die so überraschend jetzt nicht war. Man konnte die Uhr danach stellen, dass nur kurze Zeit später die empörten Aufschreie durch die sozialen Netzwerke und die Büroflure ertönten. Worte wie Verräter machten schnell die Runde und die Enttäuschung und auch die Wut suchten ihren Weg an die frische Luft. Ich muss zugeben, dass auch ich mich über die Nachricht, dass Nuri Sahin beim BVB bleiben werde, sehr gefreut hätte. Bei dieser gigantischen Leistung in dieser Saison wäre alles andere auch eine Farce. Nun geht Nuri zu Real Madrid. Meine allgemeine Abneigung gegen die Königlichen will ich gar nicht in die Debatte einfließen lassen, die tut nichts zur Sache, aber ein Angebot von Real auszuschlagen, ist im Fußball wohl nicht möglich. Und mal ernsthaft, wenn man als fußballspielender Junge den Traum hegt, einmal im weißen Trikot für Real Madrid ins Bernabeu einzulaufen, nimmt man ein Angebot von Real an. Alles andere würde man irgendwann bereuen.

Nun, das ist auch gar nicht der Punkt, der vielen bitter aufstoßen sein wird. Dafür waren sicherlich viel mehr seine Aussagen der Vergangenheit verantwortlich („Die Fans wissen wie ich mich entschieden habe“ und „Mein größter Traum ist es, in der Champions League zu spielen“). Der erste Satz ist aus heutiger Sicht natürlich unglücklich. Der zweite ist es aber nicht. Ein Spieler mit dem Talent eines Nuri Sahins muss Jahr für Jahr in der Königsklasse spielen wollen, alles andere wäre eine Verschwendung seines Könnens. Und sind wir mal ehrlich, werte BVB-Fans: “Nur“ weil wir jetzt einmal Deutscher Meister geworden sind, heißt das noch lange nicht, dass wir nun für lange Zeit konstant auf diesem Level bleiben werden. Das wäre vermessen und realitätsfremd. Mit Real Madrid wird Nuri Jahr für Jahr in der Champions League spielen, denn Real hat dieses Niveau. Da müssen wir die schwarzgelbe Brille einfach mal absetzen und realistisch bleiben.

Das einzige Problem, welches ich sehe, ist die spielerische Ausrichtung der von Mourinho trainierten Mannschaften, welche auch heute sofort in den bekannten Tageszeitungen und deren Online-Angeboten dargestellt wurde. Irgendwo habe ich heute den schönen Vergleich gelesen, dass der Sechser bei Mourinho mehr Türsteher denn Gestalter sei. Nuris Stärken liegen aber genau umgekehrt. Im Prinzip hätte Real eher Sven Bender kaufen müssen. Aber der bleibt hoffentlich noch lange beim BVB. Ob sich Nuri bei Real durchsetzen wird oder nicht, bleibt also aktuell noch zu bezweifeln, allerdings hoffe ich für ihn, dass er es schafft und sein Traum nicht zerplatzt.

“Ich bin Borusse und bleibe Borusse!“ Dieser Satz stammt ebenfalls von Nuri und den nehme ich ihm auch ab. Zum einen wechselt er nicht innerhalb der Bundesliga und zum anderen bricht er nicht mit dem BVB. Nicht jeder Spieler, der in seiner Karriere den Verein wechselt, ist ein geldgeiler und seelenloser Söldner. Ich bin generell gerne bereit, krassere Meinungen zu verstehen, schließlich habe ich oft selber Meinungen, die über das Normalmaß hinausgehen, aber in diesem Fall wurde hier und da deutlich übers Ziel hinaus geschossen.

Ich wünsche mir für Samstag, dass Nuri Sahin den Abschied erfährt, der ihm gebührt. Er war der Strippenzieher innerhalb dieser Mannschaft und trug dadurch einen sehr großen Teil mit dazu bei, dass wir alle am kommenden Samstag die Meisterschale in Dortmund begutachten dürfen. Vergesst das nicht! Und ich bin mir sicher, dass der Tag kommen wird, an dem Borussia Dortmund mit Nuri Sahin in der Champions League auflaufen wird.

Iyi şanslar, Nuri! *

* Kein Plan, ob das korrekt ist, aber mein Türkisch ist eher mau, so dass ein Online-Übersetzer herhalten musste.

[w+] Ich habe viel versucht, um einen vernünftigen Text zum letzten Wochenende auf die Beine zu stellen. Doch alle Versuche scheiterten am Ende kläglich an der Einsicht, dass das Erlebte nicht in Worte zu fassen ist. Alle Eindrücke, Erlebnisse und Emotionen werde ich ewig im Kopf haben, um sie mir bei geschlossenen Augen auf der Innenseite meiner Lider noch einmal anzusehen. Es war der absolute Wahnsinn, was sich da am 30.04.2011 in Dortmund abspielte.

Aber letztendlich waren es nicht unsere schwarzgelben Helden auf dem Rasen und auch nicht der 1. FC Köln, die uns die meisterliche Krone aufsetzten. Vielmehr hatte ein großer Mann von oben seine Finger im Spiel. Als ich letzten Samstagvormittag zuhause duschen war und mit starker Nervosität zu kämpfen hatte, erklang aus den kleinen schrammeligen Boxen unseres Duschradios der Track „No Woman No Cry“ des legendären Bob Marley. Und wenn Bob die Zeile „Everythings Gonna Be Allright“ in mehrfacher Wiederholung singt, dann wird auch verdammt nochmal alles gut. Der Rest ist Geschichte!

Deutscher Meister 2011

[w+] Was soll ich Euch erzählen, was Ihr selbst nicht schon längst wisst? Die Messe ist gelesen, die Kuh vom Eis und der Drops gelutscht. Borussia Dortmund ist Deutscher Fußballmeister des Jahres 2011! Und das vollkommen verdient, oder wie Roman Weidenfeller sagen würde ‘We have a grandiose Saison gespielt.‘

Mehr kommt dann, wenn ich wieder bei Kräften bin. Was ein Tag, was eine Nacht, was ein Wochenende! Yeah, yeah, yeah!

Niederlage am Niederrhein

[w+] Wenn der Tabellenführer, der kurz vor seiner siebten Deutschen Meisterschaft steht,  beim Tabellenletzten, der in die 2. Bundesliga abzusteigen droht, verliert, sieht das auf dem Papier immer doof aus. Auf dem grünen Rasen in Mönchengladbach sah das vom Gästeblock aus betrachtet auch doof aus. Auf den Rängen war die schwarzgelbe Abordnung wesentlich stärker als die 11 Delegierten auf dem Spielfeld. Die ca. 20.000 Borussen (!!!) waren nicht nur stark, nein, sie waren bärenstark; wenngleich ich anmerken muss, dass die erste Halbzeit zwar auch schon gut war, aber diese dennoch ein wenig zum Warmwerden benötigt wurde. Auch den sicheren Einsatz von Pyrotechnik möchte ich nicht unerwähnt lassen – sah gut aus und beförderte, grade zu Beginn der zweiten Hälfte, den Gästeblock auf Höchstouren.

Aber gut,  vom besten Auftritt kann man sich leider auch nichts kaufen, wobei durch die Niederlage und den vorgelagerten Erfolg von Bayer Leverkusen zuhause gegen Hoffenheim auch nichts Schlimmes passiert ist. An diesem Wochenende kann unser BVB durch dieselbe Konstellation wie letzte Woche Deutscher Fußballmeister werden. Bayer muss in Köln irgendwie (die Betonung liegt nach den letzten Querelen in der Domstadt eindeutig auf irgendwie) Punkte lassen und wir müssen parallel unser Heimspiel gegen den Glubb gewinnen.

Achso, bevor ich es vergesse: Alle in GELB ins Westfalenstadion!

Von einem anderen Stern

[w+] Es gibt Dinge im Leben, die man nicht kommentieren muss.

So langsam wird es ernst!

[w+] Besser hätte das zurückliegende Wochenende nicht laufen können. War der Freitagabend noch durch eine sich anbahnende Erkältung und die übliche Freitagsmüdigkeit geprägt, sollte ab Samstagmorgen der Wahnsinn regieren. Auf dem Junggesellenabschied des Dänen wurde am ganz großen Rad gedreht, ohne aber in typische Junggesellenabschieds-Muster zu verfallen. Großes Tennis, Jungs! Details dazu wird es an dieser Stelle natürlich nicht geben, aber soviel sei gesagt, der Sonntag begann für die 13 unerschrockenen Borussen-Krieger sehr, sehr schleppend. Aber egal, der Sport rief und auf der Zielgeraden zum großen Ziel wird nicht nach dem Befinden des Einzelnen gefragt, da muss das Kollektiv funktionieren. Und wie es funktionierte, und auch die nicht zu beeinflussenden Komponenten wandten sich allesamt der guten Seite der Macht zu. Der Sack ist jetzt so gut wie zu, es fehlt nur noch die schwarzgelbe Schleife, die ihn zuschnürt.

Doch bevor im Westfalenstadion angepfiffen wurde, erfolgte für Leverkusen der Schlusspfiff im Meisterschaftskampf. Zwar hatte Bayer immer darauf bestanden, den zweiten Platz zu festigen, aber intern werden sie sicher auf Ausrutscher unserer Borussia gehofft haben. Doch wenn die bis Sonntag in den letzten Wochen beste deutsche Mannschaft auf dem Weg nach München ihre Eier verliert und sich derart abschlachten lässt, werden nun auch intern die Träumereien für beendet erklärt worden sein. Leverkusen wird wohl auf ewig den Titel Vizekusen sein eigen nennen dürfen/müssen. Es ist aber schon erstaunlich, denn die aktuelle Mannschaft hat mit den Mannschaften aus den vergangenen zweiten Plätzen nichts mehr zu tun. Worin dieses ewige Zweitersein also begründet ist, weiß ich nicht. Aber ich möchte auch gar nicht, dass der Plastikverein Leverkusen jemals Deutscher Meister wird. Es hat schon gereicht, dass der glorreiche VfL Wolfsburg das geschafft hat. Aber mal ehrlich, wer erinnert sich eigentlich noch daran? Viel geiler wäre es, wenn der VfL in dieser Saison absteigen würde. Das hätte was!

Aber gut, nach dem KO der Rheinländer war nun also alles für ein Fußballfest im Westfalenstadion bereitet. Die Jungs konnten befreit aufspielen und taten dies auch. Die Gäste aus Freiburg hatten von Beginn an nicht den Hauch einer Chance und so war es auch nicht verwunderlich, dass nach 90 Minuten der Endstand von 3:0 auf den Videowänden prangten. Traumhaft, einfach nur traumhaft!

Aber es sind in solchen Momenten oftmals die kleinen Geschichten, die einen inne halten lassen. Denn die Abschiedstournee des Herrn Dede wird eine tränenreiche. Wenngleich ich diesen „Hype“ seit seiner Ankündigung, unseren Verein zum Saisonende zu verlassen, fast schon ein bisschen zu viel finde, berührt mich das alles doch sehr. Dede war nie ein Mann vieler Worte, er stellte sich immer vorbildlich in den Dienst der Mannschaft und verließ den BVB auch in den schwierigsten Zeiten rund um den Beinahe-Bankrott nicht. Er blieb einfach. Und heute in diesen Tagen wird ihm diese jahrelange Treue gedankt, die Stadt und all die Anhänger aus Nah und Fern, die unserer Borussia die Daumen halten, lieben Dede. In der Nachbetrachtung wird Dede einer der ganz großen Borussen sein, die je unser Trikot trugen. Und wenn immer er in der Zukunft nach Dortmund kommen wird, er wird immer nach hause kommen!

Die restlichen vier Spiele werden jetzt einfach nur genossen. Allein der Gedanke, am kommenden Samstag mit mehr als 20.000 Leuten  in Mönchengladbach aufzuschlagen, verdrängt alles was bis dahin im Alltag von Belang sein könnte.

Genießen, einfach aufsaugen und genießen!

Hamburg staccato

[w+] Aus zeitlichen Gründen schaffe ich es nicht in gewohnt ausführlicher Weise. Daher folgt die Zusammenfassung des Spiels beim HSV in abgekürzter Form:

Mit dem Auto nach Hamburg fahren – vorm Elbtunnel stehen, wichtige Minuten verlieren – das Auto am Volksparkstadion abstellen und mit der Bahn in die Stadt fahren – Personenschaden an der Haltestelle Reeperbahn – eine Direktfahrt bis Jungfernstieg ist dadurch nicht möglich – am Hauptbahnhof aussteigen und weitere Minuten durch umherirrendes Suchen nach dem richtigen Gleis verlieren – die richtige U-Bahn finden, um dann bei Ankunft am Jungfernstieg zu erfahren, dass die Kundgebung soeben beendet wurde – Kehrtwende, mit der Bahn zurück zum Hauptbahnhof und von dort aus weiter nach Stellingen – in der Bahn die aktuelle Situation zweier Flaschensammler und deren Muff erfahren müssen -  Spaziergang bei herrlichem Sonnenschein zum Stadion, vorbei am Gästeblock und noch auf ein kurzes Weilchen in den Biergarten – ab ins Stadion und zum Volksparkett - letzteres für ziemlich gut befinden – durch den Gästeblock nach unten quetschen und eine holprige erste Halbzeit sehen – Gegentor nach Elfmeter hinnehmen, welches in der Nachspielzeit einer starken zweiten Hälfte ausgeglichen wurde – Erleichterung – auf St. Pauli am Folgetag hoffen – zurück zum Auto und in temporeichen drei Stunden zurück in die Heimat – am Sonntag feststellen müssen, dass man sich auf St. Pauli wahrlich nicht verlassen kann und sollte – noch fünf Punkte vor Leverkusen bei noch fünf ausstehenden Spielen – weiter an die Meisterschaft glauben – wird schon – hoffentlich – ganz bestimmt!

[w+] Heute gibt es den zweiten Teil von Vernetzt, welcher aber eher ein Spezialausgabe zum FC Bayern München ist.

Durch München weht ein kalter Wind

In einem mehr schlecht als rechten Lied über die Abneigung gegen den FC Bayern München heißt es „Durch München weht ein kalter Wind“ und selten passte dieser kleine Satz besser als zurzeit. Beim FC Bayern brodelt es. Es brodelt, weil Teile der Anhängerschar sich erdreisten, ihre Meinung öffentlichkeitswirksam und nicht immer sachlich kund zu tun. Sie beleihen sich also eines Stilmittels des Herren Hoeneß – dem das in diesem Fall aber gar nicht passt.

Was ist passiert? Aktuell geht es um zwei Themen. Es geht um Manuel Neuer und den TSV 1860 München. Der Fall Neuer ist schnell abgehandelt, außerdem kommt kaum jemand, der sich für Fußball interessiert, an dieser Thematik vorbei. Die Bayern möchten Neuer gerne verpflichten, für die Bayern-Fans, allen voran die Schickeria, ist Neuer ein Dorn im Auge. Neuer ist bekennender Schalker, seit eh und je Nordkurven-Gänger und Mitglied in einem Fanclub aus GE-Buer und darüber hinaus noch bei Ultras GE. Soweit nun die Fakten, die allerdings für Zündstoff sorgen. Zum einen möchte die Schickeria keinen gegnerischen Ultrà im eigenen Tor sehen und zum anderen dürfte die Freundschaft der UGE zu Ultras Nürnberg, einen der ärgsten Rivalen der SM, hinlänglich bekannt sein. Neben diesem Aspekt möchte man, dass dem aktuellen Torwart Thomas Kraft die Chance gegeben wird, sich im Tor der Bayern zu beweisen. Was aus dieser Geschichte wird, bleibt abzuwarten. Auch wenn Neuer für mich natürlich ein rotes Tuch ist, wäre es für mich nicht nachvollziehbar, wenn er nach München wechselt. Wenn ich mit der eigenen Anhängerschar, aus der ich selbst entstamme, so verbunden wäre wie Neuer, würde ich niemals innerhalb der Bundesliga wechseln, um niemals gegen meinen Verein spielen zu müssen. Aber das nur am Rande. Gegen diese drohende Verpflichtung wehrt sich die Südkurve sehr erbittert und stößt damit natürlich nicht auf offene Ohren in der Vereinsführung. Dieser mögliche Wechsel allein birgt schon Konfliktpotenzial, welches spätestens seit dem Pokal-Halbfinale zwischen den Bayern und Schalke zum öffentlichen Thema wurde.

Hinzu kommt seit ein paar Tagen noch die erneute Unterstützung des Münchener Lokalrivalen. Uli Hoeneß hat verkündet, dem finanziell arg gebeutelten TSV 1860 München zum wiederholten Male unter die Arme zu greifen. Vor wenigen Wochen auf der Jahreshauptversammlung schloss er dies wohl noch kategorisch aus. Ich kann mich natürlich nur auf Augenzeugenberichte berufen, aber sollte Hoeneß dies auf der JHV tatsächlich so gesagt haben, um kurz später alles wieder über den Haufen zu werfen, könnte man seine Worte, um mit Hoeneß‘ Worten zu sprechen, als populistische Scheiße abstempeln. JHV und populistische Scheiße? Klingelt’s? Die Südkurve fühlt sich auf jeden Fall verschaukelt, um es mal glimpflich auszudrücken. Und um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, wurde das letzte Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach zum Anlass genommen, um groß zu protestieren. Die Spruchbänder der SM fand ich ziemlich gut und witzig, was aber auch daran liegen könnte, dass ich total verroht bin und keine Grenzen mehr kenne. Aber hierfür gibt es ja die Sportberichterstatter, die größtenteils die Betroffenheitsbrille sofort parat haben und gegen das sich auflehnende Fußvolk in den Kurven losledern. Ich möchte mal wissen, wer bestimmen will, inwieweit eine Kurve Meinungen entwickeln und mitteilen darf. Es ist klar, dass Besucher kein billiges Klatschvieh sind, die zwar gefälligst den teuren Eintritt bezahlen zu haben, aber danach bitte zur quietsch fidelen Masse werden sollen, die das Produkt Fußball mit ihrer Folklore bereichern, um es bestmöglich zu verkaufen. Nichts da! Die Kurve muss das Herz und das gute Gewissen eines jeden Vereins sein, die Kurve muss Meinungen äußern, die Kurve muss kritisch sein – und wenn es sein muss auch mit den Ikonen im Verein, die dem Heute-Hüh-Morgen-Hott-Syndrom verfallen sind. Und wer immer alles und jeden kritisiert und dabei nicht immer auf Wortwahl und Ton achtet, der muss auch einstecken können, Herr Hoeneß! Und an alle anderen: Hört auf, Fans das Fansein abzusprechen, nur weil sie kritisch und nicht so sind, wie sie die Fußballindustrie haben will. Erstens bringt das eh nichts und zweitens ist das scheiße!

Nach diesem ganzen Trara bei den Bayern möchte ich Euch noch den Blog Gegen den Strom ans Herz legen, der von der Schickeria neben der eigentlichen Homepage betrieben wird. In diesem Blog werden Texte aus anderen Publikationen der SM, ausgewählte Gedanken aus anderen Gruppen/Heften/Blogs und Videos und Bilder aus den verschiedenen Bereichen des Fußballs veröffentlicht. Ein Blick in diesen Blog lohnt sich eigentlich immer.

[w+] Seit 37 Jahren ist das Westfalenstadion die Heimat des magischen Ballspielvereins aus Dortmund. Und egal was auf dem Dach geschrieben steht, es gab und gibt immer nur einen Namen – haltet ihn in Ehren!

Auf den Tisch gehauen

[w+] War ein Gegentor zum 0:1 irgendwann schon einmal so wichtig wie am vergangenen Samstag? Ein Gegentor zum richtigen Zeitpunkt, ein Gegentor, welches alle wachgerüttelt hat, ein Gegentor, das die Fesseln gelöst hat. Nach dem 0:1 für Hannover 96 erwachten die elf Borussen auf dem Rasen und die 80.000 Zuschauer auf den Rängen aus ihrem Frühlingsschläfchen und schossen und sangen 96 aus dem Stadion.

Jaja, das Stadion. Eröffnet wurde das Westfalenstadion am 02.04.1974 kurz vor der WM im eigenen Land mit einem Spiel gegen Schalke 04, wobei ich den Mantel des Schweigens über das damalige Ergebnis hüllen möchte. Ging es also nicht so gut los im neuen Wohnzimmer, entwickelte sich das Westfalenstadion im Laufe der Zeit zur Wiege der größten Triumphe der Vereinsgeschichte – bis der Name dann im Zuge der Fastpleite verkauft werden musste. Ich sehe ein, dass dieser Schritt damals zwingend nötig war, darüber will ich gar nicht diskutieren. Allerdings gibt es seit der Gesundung der magischen Borussia keine Bestrebungen, diesen Schritt wieder auszuradieren. Ich glaube auch nicht, ob darüber jemals nachgedacht wurde und wird. Und das werfe ich dem Verein vor, ohne ein großes Drama daraus zu machen. Man müsste den Aktionären ja irgendwie klar machen, dass ein Angebot abgelehnt wurde, welches der KGaA Kohle gebracht hätte. Aber lassen wir das an dieser Stelle.

Da sich der Tag der Einweihung unserer Heimspielstätte genau am Samstag zum siebenunddreißigsten Mal jährte wurde ihr Namen mittels einer kleinen Aktion im unteren Bereich des Block Drölf geehrt. Zum Spruch „Wir halten an Dir fest – 02.04.1974“ gingen die einzelnen Buchstaben, die jeweils von einer Hand gehalten wurden, des einzig wahren Stadionnamens nach oben, was durch einen geilen Konfetti- und Luftschlangenregen untermalt wurde. Klein, schlicht, schön! Weitere Bilder der Aktion findet Ihr hier und hier.

Anschließend war ich gespannt, ob sich seit dem letzten Heimspiel gegen Mainz 05 was getan hatte. War es gegen die Rheinhessen noch unterirdisch bis peinlich was von den Tribünen kam, war es gegen die Niedersachsen von Beginn an komplett anders. Bis zum Gegentreffer würde ich die Note befriedigend vergeben, was danach, wohl bemerkt nach einem Gegentreffer zum 0:1, abging, erinnerte an die große Vergangenheit dieses Stadions. Die Bälle wurden brachial ins gegnerische Netz gesungen, die Mitmachquote war nicht selten bei sicherlich 80-90 Prozent – was bei diesem Riesen schon gigantisch ist – und auch die Sitzplätze ließen sich nicht lumpen. Dazu dann noch die geniale Schlussviertelstunde auf dem Rasen und perfekt war der Dortmunder Feiertag.

Der Gästeanhang befand sich in der Nordost-Ecke. Woran das lag, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber egal ob H96 nicht alle Karten abgerufen hat, oder in Hannover kaum jemand nach Dortmund fahren wollte, es war peinlich, dass man in der bisher erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte in der Endphase der Spielzeit nur so wenige Leute mobilisieren kann, die einen knapp 200 Kilometer zu einem Auswärtsspiel begleiten. Da hätte ich wesentlich mehr erwartet. Zugute halten muss man dem Gästeanhang allerdings, dass er ein paar Mal im Süden des Stadions zu hören war. Da gab es schon wesentlich schlechtere Auftritte in Dortmund in dieser Saison.

Aber warum lange mit anderen aufhalten, wenn der eigene Verein einfach nur Spaß macht? Der BVB hat am Samstag eindrucksvoll auf den Tisch gehauen und hoffentlich nun auch den letzten Zweifler zum schweigen gebracht. Auf jeden Fall attestieren uns nun wieder alle Medien  die Meisterreife – ganz egal ob von denselben Leuten bis Samstag versucht wurde, dem BVB Unsicherheit anzudichten.

Die schönste Geste des Nachmittags hat schon die große Runde gemacht. Aber auch ich möchte Mario Götze meinen Dank aussprechen. Das Shirt unter dem Trikot ist an sich nichts großes, aber sind es doch oft die kleinen Dinge im Leben, die die größte Freude bereiten. Und auch das Solo vor der Süd hat sich Dede nach dem Spiel redlich verdient. Ein großer Mensch wird uns zu Saisonende verlassen. Seine Aussage nach dem Spiel, er werde nie gegen Borussia Dortmund spielen , hat mich im Nachgang des Spiels am meisten gefreut. Solche Aussagen kommen nach oder vor Vereinswechseln so gut wie nie, aber an ihnen kann man die Verbundenheit des jeweiligen Spielers mit dem Verein ablesen. Dede – für immer einer von uns!

Ab sofort aber schweift mein Blick gen Hamburg. Von den geplanten Protesten rund um das Spiel in der Hansestadt hatte ich ja bereits. Um in den Tagen bis zum Spiel immer auf dem neuesten Stand zu sein, schaut bitte regelmäßig auf keinzwanni.de vorbei.

Fußball muss bezahlbar sein!

Runter vom hohen Ross

[w+] Welches Thema hat mich am Wochenende wohl am meisten beschäftigt? Die strittige Szene, die zum Ausgleich führte? Der provozierend vor der Süd rumturnende Mainzer Torhüter? Das ungenaue Spiel unserer Mannschaft? Die zwei verlorenen Punkte?

Nein, über all diese Dinge habe ich mir zwar auch Gedanken gemacht, aber vorherrschend war eine andere Thematik, die ich im Vergleich viel bedenklicher finde. Es ist diese Selbstverständlichkeit und diese Selbstgefälligkeit der Tribünen und somit der Leute, mit denen hier zurzeit alles aufgenommen wird. Das frühe Tor zur 1:0-Führung machte es dann auch nicht besser, im Gegenteil. Das Westfalenstadion war bis auf wenig Momente im Spiel komplett tot. Die Seitentribünen sitzen wie angewurzelt auf ihren Plätzen, Teile der Süd-Ecken sind genauso bemüht wie einzelne Bereiche der Süd, kommen aber gegen die große schweigende Masse nicht an. Es ist beschämend, dass sich ein Stadion und speziell eine Kurve eines ganz heißen Meisterschaftsaspiranten dermaßen desolat präsentiert. Wir können von Glück sagen, dass die Mainzer Anhängerschaft nicht annähernd ihrem aus Funk und Fernsehen konstruierten Ruf gerecht wurde. Es wäre ein leichtes gewesen, das hoch gepriesene Dortmunder Westfalenstadion an die (gelbe) Wand zu singen.

Ich möchte nicht missverstanden werden, ich will keine Stimmungsdiskussion entfachen, das kann gerne weiterhin nach Niederlagen oder Punktverlusten im Schwatzgelb.de-Forum geschehen. Mir geht es um generelle Dinge, um Grundsätzliches. Wie kann es sein, dass man dermaßen satt ins Stadion geht und begeisterungsunfähig und leidenschaftsarm ist. Will man sich berieseln lassen und am Ende brav applaudieren? Ist das der aktuelle Anspruch? Hat man in dieser Saison schon genug gesehen, um auf den großkotzigen Spuren der späten 90er-Jahre zu wandeln? Wenn dem so sein sollte, müsste ich mal eben das Schreiben unterbrechen, um ordentlich reiern zu gehen.

Irgendwie scheint es mir so, dass nach dem Spiel bei den Bayern, wo erstmals auch von oberster Stelle im Verein das Wörtchen Meisterschaft öffentlich benutzt wurde, die Luft ein wenig raus ist. Der Vollgasfußball ist irgendwie in den letzten beiden Partien abhanden gekommen. Wir spielen nicht wirklich schlecht, aber der Druck und die Präzision sind nicht mehr so da wie bis zum Spiel beim FC Bayern. Und dieser kleine Leistungsabfall hat scheinbar dazu geführt, dass der Dortmunder bzw. der Borusse (für alle mitlesenden Gleichstellungs-Fanatiker: Dortmunder*innen bzw. Borussen*innen – die jeweils bevorzugte Schreibweise muss sich dann jede*r selber dazu denken – alle bisher irgendwo gelesenen Varianten würden hier den Rahmen sprengen) das Meckern und Kleinreden wiederentdeckt hat. Die Meisterschaft, die nach dem Sieg in München schon großspurig gefeiert wurde, ist nun längst wieder passé. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis uns das Feld eingeholt hat. Es ist zum Heulen, wie aus dem selbstbewussten Anhang der Borussia innerhalb von zwei, drei Wochen ein Haufen Jammerlappen geworden ist. Es sind nicht alle so, aber der Grundtenor ist nicht zu überhören.

Kommt alle mal klar und lasst uns in den letzten Runden dieser sensationellen Saison alle zusammen an einem Strang ziehen, damit die Meisterschale am 14. und 15. Mai durch Dortmund geschlörrt wird. Steckt den Sand nicht in den Kopf (oder so ähnlich) und heult nicht rum. Das hilft niemandem weiter und sieht mit immer noch sieben Punkten Vorsprung etwas albern aus. Und es wäre am Ende fatal, wenn sich die Unsicherheit von den Rängen auf den Rasen überträgt.

Mund abwischen und Hannover besiegen – auf Rasen und Rängen!

Vernetzt #1

[w+] Es ist Freitag und ich sinniere mal wieder über den Inhalt dieser Seite. In den letzten Wochen passierte hier neben den Spielberichten nicht allzu viel. Natürlich sollen die Spielberichte auch weiterhin zentraler Punkt dieses Blogs sein, aber um die Berichte dürfen sich hier gerne in schöner Regelmäßigkeit weitere Themen platzieren.

Also kam mir vorhin die Linkschau in den Sinn, die alle Links beinhalten soll, die ich in der letzten Zeit empfehlenswert fand. In welchem Turnus diese Sammlung erscheinen soll, weiß ich noch nicht. Zuerst dachte ich jede Woche, aber mal im Ernst, das bedeutet Disziplin und Durchhaltevermögen. Wer mich aber kennt, weiß, dass beides nur bedingt vorhanden ist. Also wird es unregelmäßig passieren, wobei ich mir in gewissen Abständen Erinnerungen in den Kalender schreibe, so dass diese neue Kategorie nicht langsam aber sicher wieder einschläft.

Aber nun weiter mit der ersten Ausgabe der Linkschau, die unter der Kategorie Vernetzt geführt werden wird.

Der Blog After Changes We Are More Or Less The Same dokumentierte am 03.03.2011 einen Artikel aus der „Greif zu“ (Infozine der Suptras Rostock), welcher für sich steht. Dieser Artikel schrie förmlich nach, durch den Kakao gezogen zu werden, so dass der große Rostocker Rivale aus dem braun-weißen Hamburg sich nicht lumpen ließ, in seinem Infozine darauf einzugehen. Gefällt mir!

Normalerweise sehe ich das zweite Dortmunder Internet-Fanzine, Die Kirsche, eher kritisch, weil mir viele Meinungen und Haltungen nicht zusagen. Aber das zweiteilige Interview (Teil 1, Teil 2) mit den beiden Kein-Zwanni-Köpfen, Daniel und Marc, ist sehr zu empfehlen. Im zweiten Teil „driftet“ das Interview zwar etwas in allgemeinere Fanpolitik ab, was aber keineswegs die Qualität mindert. Gute Fragen, gute Antworten!

Der dritte Link ist bereits weit gereist, was ihn aber nicht minder amüsant macht. Vor neun Tagen wollten die Nürnberger Nachrichten ihren Lesern das Problem Graffiti näher bringen und brachten eine ganze Seite Fakten, Fakten, Fakten über diese üblen Schmierereien. Doch mal im Ernst, wer meint, über irgendetwas schreiben zu müssen, sollte schon ein wenig Ahnung von der Materie haben. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, kommt höchstwahrscheinlich Murks bei raus, den dann auch noch der Bildblog entlarvt.

Der letzte Link für heute spricht für sich, einfach auf sich wirken lassen. Ist nicht ganz aktuell, da der werte Herr Fotograf die letzten Tage seiner Asien-Reise genießt. Ich weiß gar nicht, ob es ihm recht ist, wenn sein Fotoblog hier gepusht wird. Aber egal, wer so geniale Bilder macht, muss damit leben, wenn sie anderen gefallen.

Irgendwann, in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft, gibt es einen zweiten Teil von Vernetzt.

Ausrutscher an der A6

[w+] Vorweg, verlieren ist immer scheiße. Egal wann, egal wo und egal gegen wen. Natürlich sind Niederlagen im Derby emotional schwerwiegender, auch gegen alte Rivalen und die Plastikvereine ist Verlieren, wenn es nach mir geht, nicht drin. Die Niederlage am Samstag gegen Hoffenheim – auch hier weiger ich mich strikt irgendwelche Abwandlungen des Namens zu benutzen – gehört dazu. Mit Blick auf den Saisonverlauf ist die Niederlage verkraftbar, irgendwann musste es wieder passieren, dass es aber ausgerechnet gegen die TSG passieren musste, wurmte mich sehr und wurmt mich auch heute noch.

Der Rest ist eigentlich schnell erzählt. Mein Vorhaben das Stadion an der Autobahn in Sinsheim nie nüchtern zu betreten, hat auch dieses Mal vorzüglich funktioniert, so dass das Affentheater, welches rund um das Spiel veranstaltet wird, an mir vorbeirauschte. Zum Spiel selber kann ich aufgrund der miserablen Sicht meines Standorts im Block nicht viel sagen. Sei’s drum, das Spiel ging in die Buchse und das noch nicht einmal unverdient. An der Stimmung im Gästesektor hatte ich persönlich meine Freude, wenngleich ich aber eingestehen muss, dass es geteilte Meinungen gibt und sicherlich Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Darüber kann gerne geredet werden, aber die ausgelutschten Pauschalkeulen will ich nicht hören. Die Zeiten ändern sich halt und wenn sich die notorischen Nörgler wenig bis gar nicht an der Stimmung beteiligen, bzw. am Rand stehen und nichts zur Entwicklung der Atmosphäre beitragen, haben sie halt Pech gehabt. Klingt hart, ist aber so. Jedes Lied, welches mit Leidenschaft und Hingabe gesungen wird, hat die Chance, die komplette Kurve zu erobern. Und wenn es in Italien, genauer gesagt in Andria, sogar möglich ist, Heintjes „Mama“ (bzw. die dazugehörige Melodie) in einer wunderschönen Art und Weise zu singen, ist alles möglich! Das Smiley hinter dem letzten Satz müsst Ihr Euch dazu denken, aus stilistischen Gründen verwende ich in den Texten dieses Blogs nämlich keine.

Nach dem Spiel ging es zurück in die Busse und wieder ab in die Heimat. Und dass Auswärtsniederlagen nicht immer mit miesen Rückfahrten verbunden sind, hat der Samstagabend eindrucksvoll bewiesen.

Wie zugenagelt

[w+] Wieder ist ein Wochenende rum und wieder kann ich nichts anderes berichten als die Wochen zuvor. Der magische BVB gewinnt erneut, lässt viele Chancen ungenutzt und führt weiterhin klar und deutlich die Bundesliga-Tabelle an. Dass gegen den 1. FC Köln „nur“ ein 1:0 heraussprang, hat der FC seinem Torhüter Michael Rensing zu verdanken, der wohl den besten Tag in seiner bisherigen Karriere erwischte. Das Tor war wie zugenagelt.

Die Vorzeichen für ein großes Spiel standen gut. Zum einen ist es immer etwas besonderes, wenn die Borussia aus Dortmund freitagabends zu bester Flutlichtzeit ins Westfalenstadion einläuft und zum anderen ist der 1. FC Köln ein sehr namhafter Gegner. Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln – das klingt wie Musik in den Ohren. So war es auch nicht verwunderlich, dass das Spiel bis auf den letzten Platz ausverkauft und der Gast vom Rhein zahlreich vertreten war. Zwar hätte ich mit noch mehr Kölnern gerechnet, aber am Karnevalswochenende verschieben sich die Prioritäten einiger FC-Anhänger wohl etwas. Aber egal, die die da waren hinterließen einen guten Eindruck.

Doch zuerst zur Süd. Zum Einlaufen der Mannschaften erstrahlte Block Drölf mithilfe tausender Tifo-Wunderkerzen, die aber leider qualitativ minderwertig waren und dem schönen optischen Effekt durch starkes Tropfen einen faden Beigeschmack gaben. Dazu prangte vor der Süd dick und fett ‘Auf dem Weg zum Ziel, keiner kann uns halten’, welches eine Textzeile des unfassbar trashigen „Wer wird Deutscher Meister“ von Norbert Dickel aus den sportlich so erfolgreichen 90er-Jahren ist. Zur zweiten Halbzeit wurde noch einmal das Spruchband ‘Fußball muss bezahlbar sein’ des München-Intros gezeigt, um zusammen mit den Kölnern erneut auf die Kartenpreis-Problematik aufmerksam zu machen. Hierzu zeigte der Gast ein dickes ‘Kein Zwanni für nen Steher’. Vielen Dank dafür!

Darüber hinaus gab es seitens TU eine Änderung hinsichtlich der Lautsprecheranlage. Aus einem Lautsprechermast wurden zwei, die je am untersten Mundloch der Blöcke 12 und 13 montiert sind. Hier kann ich sagen, hat sich die Änderung gleich positiv auf die Stimmung ausgewirkt. Die Gesänge starteten viel kraftvoller und die Mitmachquote war auch deutlich höher als zuvor. Wollen wir hoffen, dass dies kein einmaliger Ausrutscher nach oben, sondern ein guter Startschuss in eine lautstarke Zukunft war. Hier werden die restlichen Heimspiele dieser Saison zeigen, wohin der Weg der Süd gehen wird.

Die Gäste waren von Beginn an sehr lautstark und traten auch optisch gut in Erscheinung. Für mich war das einer der besten Auswärtsauftritte in dieser Saison im Westfalenstadion. Ich finde es immer sehr respektabel, wenn Kurven deutlich unterlegener Mannschaften den Kopf nicht in den Sand stecken und dennoch eine gute Leistung abliefern. So war es am Freitag auch mit den FC-Anhängern. Klar, es lief sportlich nicht rosig, aber der Trend der letzten Wochen stimmt mich recht zuversichtlich, dass der FC die Klasse in diesem Jahr sicher halten wird. Bilder von beiden Kurven und allen Aktionen findet Ihr wie immer auf den bekannten Fotoseiten. Ich habe es aufgegeben, die Blogeinträge mit Fotos zu versehen. Jede Anstrengung ist eine zu viel, zumindest für einen derart faulen Sack wie mich. Ich hoffe, Ihr seht es mir nach.

Kommende Woche geht es dann nach Sinsheim, um gegen das Kunstprodukt Hoffenheim anzutreten. Es wäre großartig, wenn der gute Auswärtslauf weiter anhielte und wir die beknackten Kraichgauer aus ihrem sterilen Stadion schießen würden. Nächste Woche wissen wir dann mehr. Bis dahin genießen wir den Platz an der Sonne und schauen wohlig grinsend auf die Konkurrenz, die sich teils gut (Hannover, Mainz und Leverkusen) und teils verkrampft und scheinbar erfolglos (FC Bayern) um die direkten Plätze hinter uns balgen.

Die abschließenden Grüße gehen dieses Mal an den abgehalfterten Tennis-Star und den wohl betrunkensten Marienkäfer der Welt.

Historischer Sieg

[w+] Ein sehr hochtrabender Titel, aber er passt. Denn zum einen haben wir nach knapp 20 Jahren wieder in München bei den Bayern gewonnen und zum anderen habe ich damit bei allen aktuellen Bundesligisten einen Sieg meiner Borussia gesehen. Lange hat es gebraucht, bis ich diesen Satz mal ohne den Nebensatz ‘außer bei den Bayern’ sagen konnte.

Zum Sportlichen brauche ich nicht mehr viel sagen, überall wurde über dieses Gipfeltreffen berichtet – auf der ganzen Welt. Und die ganze Welt konnte sehen, wie unsere junge Elf die Bayern demontierte. Eine junge Elf, die im Schnitt durch den Ausfall von Roman noch jünger war als eh schon Woche für Woche – Ersatzkeeper Mitch Langerak ist ja auch erst 22. Die ganze Welt konnte somit das Meisterstück unserer Borussia verfolgen. Ja, Ihr habt richtig gelesen, nach den Offiziellen des Vereins bin auch ich mir sicher, dass dieses 3:1 bei den Bayern der entscheidende Schritt zum Titel war. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, dass wir nach dem 34. Spieltag nicht mehr ganz oben in der Tabelle stehen.

Dieses Spiel bei den Bayern wurde von der Schickeria München und den Dortmunder Gruppen zum Aktionsspieltag im Rahmen der Kein Zwanni-Kampagne ausgerufen. Beide Seiten brachten ihre Meinung zu den stetig steigenden Eintrittspreisen zum Ausdruck und fanden beim Slogan ‘Fußball muss bezahlbar sein’ ihren gemeinsamen Nenner. Dieser Spruch prangte bereits lange vor Spielbeginn vor der Südkurve und mit dem Einlaufen der Spieler auch vor dem Gästebereich im dritten Rang. Dazu gab es von den Bayern zahlreiche Spruchbänder zu eben jener Thematik und bei uns mehrere Doppelhalter mit dem „Kein Zwanni“-Logo. Für den Beginn auf jedem Fall schöne Leckerbissen. Außerdem hing im Bereich der DES99 ‘USK abschaffen’ auf T-Shirts. Recht hobts, Burschen, weg mit der Prügeleinheit der bayerischen Polizei!

Mit Spielbeginn kam dann auch endlich der Gästeblock auf Touren, der aber auch schon vor Anpfiff den ein oder anderen Gesang durchs Stadion schmetterte. Auch mit ein paar Tagen Abstand bin ich immer noch hochzufrieden mit unserem Auftritt in München. Die Schickeria schrieb in ihrem Newsletter zwar davon, dass wir erst ab der 70. Minute richtig abgingen (vorher aber auch nicht schlecht waren), aber meiner Meinung nach war unser Support über die kompletten 90 Minuten richtig stark. Die Gesänge wurden lange, melodiesicher und vor allem lautstark getragen. Und der Motor im dritten Rang konnte den Rest des Gästeanhangs oft mit einbeziehen. Es waren 90 Minuten voller Spaß, Leidenschaft und Energie.

Die Heimkurve beschränkt sich meiner Meinung nach nur auf die beiden Mittelblöcke im untersten Rang hinter dem Tor. Dort ist eigentlich immer 90 Minuten Alarm und so war es auch dieses Mal. Der Kern ist im Vergleich zu den Jahren zuvor auch ein wenig größer geworden, viel angekommen ist bei uns allerdings nicht. Trotzdem habe ich großen Respekt vor der Schickeria, wenngleich ich nicht immer deren Meinung bin. Wer aber über Jahre mit so einem „Restpublikum“ zu kämpfen hat, sich durch jahrelange Repression nicht beirren lässt, sich eigene Fehler eingesteht und sich eine eigene Identität unter Berücksichtigung dieser Faktoren geschaffen hat, hat nichts anderes verdient als Respekt.

Nach diesem fulminanten Sieg wurde noch ausgiebig mit der Mannschaft gefeiert bevor es dann singend und tanzend die Stufen hinab ging, um auf dem Stadionumlauf noch ausgiebig eine heiße Sohle aufs Meisterparkett zu legen. DEUTSCHER MEISTER BVB!

Der heutige Gruß geht an:
(Amstel, Amstel) Jenny From The Block!

Das Ziel vor den Augen

[w+] Der erste Heimsieg im Jahr 2011 ist unter Dach und Fach. Nach den beiden guten, zum Teil sogar sehr guten Spielen gegen Stuttgart und die Blauen, die aber leider nicht gewonnen werden konnten, wurde nun der FC St. Pauli hoch verdient mit 2:0 zurück in den Norden geschickt.

Schon Tage vor dem Spiel war klar, dass der Hamburger Stadtteil dick in Dortmund antischen würde, denn von den zur Verfügung stehenden 8.000 Karten kamen nur 400 zurück an die Strobelallee. Allerdings muss man auch den Umstand in die Betrachtung einbeziehen, dass St. Pauli wie wohl kein zweiter Verein in Deutschland, mit Umlandvolk zu kämpfen hat, welches größtenteils gar nicht daran interessiert ist, den Verein lautstark zu unterstützen. Und genau das ist die Kehrseite der Kultclub-Medaille. Durch das kommerziell bis zum Limit ausgeschlachtete Anderssein zieht der Club Leute an sich, die den Totenkopf nur aus Mode tragen. Und so kommt es, dass viele scheinbar hippe Yuppies, andere Trendaffen und Hobbypunks aus der Umgebung der Auswärtsspiele den Gästebereich bevölkern, mit denen sich der wirklich fußballbegeisterte Teil der Paulianer wohl oder übel auseinandersetzen muss. Dass darunter natürlich die Unterstützung und die Qualität eben jener leidet, ist klar. Aber damit sollen sich die braun-weißen Hamburger rumschlagen, schließlich handelt es sich hierbei um ein hausgemachtes Problem, zumindest wenn man den Verein und seine Marketingabteilung in die Entwicklung der Kurve mit einbezieht.

Aus unserer Sicht waren alle heiß auf den ersten Heimsieg des Kalenderjahres, mit dem die nervende Reporterschar mundtot gemacht werden sollte. Was Woche für Woche geschrieben und gesendet wird, ist wirklich haarsträubend. Eine Woche blasen die Bayern wieder zur Aufholjagd, um diese in der darauf folgenden Woche wieder einzustellen. Gleichzeitig wird versucht, unserer Mannschaft Nervosität und Nervenflattern einzureden. Dass der Vorsprung von zehn Punkten, mit denen wir in die Winterpause gegangen sind, immer noch Bestand hat, wird da gerne vergessen. Alles für die Schlagzeilen – aber irgendwie muss es ja künstlich spannend gehalten werden.

Aber egal, am Samstag war schnell klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis der Ball im Netz zappelt. Von der ersten bis zur letzten Minute spielte nur eine Mannschaft, und die hieß Borussia  Dortmund. In der ersten Halbzeit, speziell so ab der 30. Minute, wusste der FCSP gar nicht wie ihm geschah. Das war geiler, druckvoller und temporeicher Fußball, der kurz vor der Pause auch endlich vom erlösenden Tor durch Barrios belohnt wurde. Der Bann schien gebrochen, denn nach der Pause erhöhten wir durch ein Eigentor noch auf 2:0. Danach wurden die Motoren aber etwas gedrosselt und der Sieg souverän nach hause gefahren. Wer aber auch zurzeit nicht von der Dortmund Volkskrankheit Nummer Eins, dem Meckern, loskommen sollte, kann an der unzureichenden Chancenverwertung rumnöhlen. Es mag überheblich klingen, aber in der Rückrunde hätten wir jeden Gegner aus dem Stadion schießen können, die Chancen waren da, sogar zuhauf. Aber vor dem Tor wird oftmals zu umständlich gespielt, ein schnörkelloser Abschluss würde sicherlich noch klarere Ergebnisse bringen. Aber bei zehn Punkten Vorsprung auf Bayer Leverkusen ist das aktuell noch verkraftbar.

Aber nicht nur auf dem Platz ging teilweise die Lutzi ab, auch auf den Rängen war einiges los. Bedingt durch die furiose Spielweise in der ersten Halbzeit bebten die Tribünen des Westfalenstadions zeitweise wie lange nicht mehr. Auch vor der Druckphase ab der schon beschriebenen 30. Minute war es mehr als ok und somit echt zufriedenstellend. Danch ging es bis zum Halbzeitpfiff stark an die Belastungsgrenz. In der zweiten Halbzeit flachte es nach dem entscheidenden zweiten Tor etwas ab, ohne aber schlecht zu werden. Und zum Ende schafften wir es endlich mal wieder, befreit und locker den Sieg zu feiern. Wir müssen es endlich mal wieder schaffen, dass die letzten Minuten eines schon entschiedenen Spiels nicht zum Leerlauf werden, auch dort gilt es noch einmal alles zu geben. Gute Kurven geben 90 Minuten Gas, nicht nur punktuell oder 70, 80 Minuten.

Zu Beginn gab es von TU ein Spruchband für das Projekt Viva Con Agua, welches von einem ehemaligen Spieler der Braun-Weißen ins Leben gerufen wurde und im Umfeld des FC St. Pauli auf breite Unterstützung trifft. Genauere Informationen findet Ihr dazu auf der Homepage des Projekts und im Vorspiel.

Die DES99 zeigten zuerst ein Spruchband zur Süd, mit welchem sie darauf hinwiesen, dass Böller die Pläne der Pyrotechnik-Kampagne durchqueren. Dasselbe Spruchband wurde kurz darauf gedreht und gen Spielfeld präsentiert. Während des Spiels sprachen sie ihre Solidarität zur Wilden Horde 1996 aus, die seit dem Vorfall nach dem Bayern-Heimspiel unter großem medialen Druck stehen (die Stellungnahme dazu findet Ihr auf der WH-Homepage) und schickten einen deutlichen Gruß hinaus in die Presselandschaft (die Bilder hierzu sind auf den bekannten Fotoseiten einzusehen).

Auf Gästeseite gab es vor dem Spiel das Spruchband „Die Nummer Eins der Stadt trinkt Bier“, mit welchem sie ihren Derbysieg unter der Woche feierten. Erweitert wurde das Spruchband mit dem Banner „Die Nummer Eins in Hamburg – FC St. Pauli“ (oder so ähnlich) erweitert, welches zum Einlaufen der Mannschaften gezeigt wurde. Darüber hinaus blieb der Gästesektor eher blass, denn trotz der oben beschriebenen Schwierigkeiten, mit denen die Paulianer zu kämpfen haben, hatte ich mir mehr erhofft. Vor dem Spiel, als der Gästeblock noch sehr leer war, kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Gästefans und Ordnern. Allerdings konnte ich aus der Ferne nicht erkennen, worin diese Auseinandersetzungen begründet lagen. Den wilden Spekulationen auf der Süd will ich mich nicht anschließen. Wenn ich irgendwo im Netz was dazu finden sollte, werde ich es in diesem Bericht ergänzen. Die peinlichen „Auf die Fresse“-Rufe, die von der Süd ausgingen, möchte ich der Form halber nur am Rande erwähnen und schnell unter den Mantel des Schweigens kehren. So etwas muss und darf nicht sein, denn dieselben Probleme können auch wir alle zwei Wochen haben, wenn wir mit dem BVB auf Reisen sind – aus welchem Grund auch immer.

Nächste Woche geht es nach München, um dort im hässlich sterilen Stadion an der A9 den Triumphzug gen Meisterschaft fortzusetzen. Es ist an der Zeit, den nunmehr fast zwanzigjährigen Auswärtsfluch bei den Bayern zu durchbrechen. Wenn wir dieses Mal dort nicht gewinnen, wann dann?

Abschließend möchte ich Lucien Fafre für seinen gelungenen Einstand als Trainer von Borussia Mönchengladbach gratulieren.

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