Mit dem TU-Bus ging es in die Hauptstadt Brandenburgs, von der man allerdings außer der Kneipe nahe des Gästeblocks nicht viel sah. Aber die paar Impressionen, die ich aus dem Bus aufsog, hinterließen einen feinen Eindruck.
Um fünf Uhr morgens ging es ab dem zentralen Omnibusbahnhof los und eine entspannte Fahrt begann, die aber die letzte mit unserem Busunternehmer werden sollte, aber das wussten wir zu Beginn noch nicht – denn es stand noch nicht fest. Etwa zwei Stunden vor Anpfiff kamen wir am KarLi an und Rapha und ich zogen sofort los, um eine Schänke aufzutun. Das „Weisenhaus“ machte grade auf, als wir vorbei schlenderten. Nett vom Wirt! Nach und nach trudelten alle Businsassen ein und wir verbrachten die Zeit bis zum Spiel dort bei lecker Bierchen. Die Kneipe ist sehr zu empfehlen, uriges Teil mit humanen Preisen.
Irgendwann kamen ca. zehn finster drein schauende Jungs in den Laden, allesamt in Hoolywood-Berlin-Kapus, war wohl die sportliche Fraktion von Nulldrei, die man im Stadion hinter einer „Sportlich elegant“-Fahne wieder sah. Dort machten sie einen eher lächerlichen Eindruck, denn in der Kneipe bekamen sie die Fresse nicht auf und zogen wohl etwas frustriert von dannen, um dann im Stadion Pöbelorgien zu starten. Lächerlich! Ein paar der Leute im Gästeblock sprangen natürlich drauf an und waren genauso lächerlich. Naja, man muss wohl immer auf diese dumpfen Pöbeleien reagieren, um nicht als weich darzustehen. Aber diese Krankheit wird es solange geben, wie es den Fußball auch geben wird.
Das Spiel an sich riss mich nicht so vom Hocker, aber unsere Amas haben hier zu Beginn der Liga leichtfertig zwei Punkte verschenkt, denn wir waren klar besser.
Auf den Rängen war dafür einiges los. Bei uns im Block gab es eine kleine Aktion zu Beginn. Hinter dem Spruchband „Auf in eine verfickt geile Saison“ schneite es eine fette Portion Konfetti, sah sehr geil aus. Die Aktion vom Heimblock habe ich nicht mehr in Erinnerung, kann also nicht der Hammer gewesen sein. Ansonsten war der Heimblock aber allright, wenn auch nur 50-60 Leute durchgehend an der Unterstützung beteiligt waren. Bei uns wurde der Support von ca. 70-80 zum Teil recht jungen Leuten konstant getragen, er war durchgängig, kreativ und hob sich somit von unserem Bundesligadurchschnittsrepertoire gehörig ab. So soll es sein!
Nach dem Spiel stand unser Bus direkt vorm Gästeparkplatz und die Zugfahrer bekamen wohl einen Bus, der sie zum Bahnhof bringen sollte. Dort soll es lt. Hörensagen zu einem Angriff gekommen sein, aber genaues weiß ich da nicht. Ob es die normal gesponnenen Horrorszenarien waren oder doch Realität wird sich die Tage heraus stellen, wenn man mit den Leuten kommuniziert hat.
Wir machten uns also auf dem Heimweg, der in der Nachbetrachtung nicht so ideal gelaufen ist. Wir haben kein Busunternehmen mehr und momentan auch niemanden, der künftig die Busse organisiert. Werner stand ja schon in den letzten Monaten immer mal kurz davor, uns nicht mehr zu fahren, gestern wurde das Fass dann zum Überlaufen gebracht. Aus Spaß wurde Ernst könnte man dazu sagen. Ein paar Leute veranstalteten im Bus einen kleinen Spaßkampf, der bei einer Pause nach außen getragen werden sollte. Leider knallte dabei einer vor die hintere, geöffnete Tür. Passiert ist zwar nichts, aber Werner bekam das mit und geriet in Rage. Tja, das war der berühmte Tropfen. Mitbekommen habe ich davon nicht sonderlich viel, denn meine Korn-Multi-Mischungen haben mich ins Tal der Träume gekickt.
Tja, so wurde aus einer sehr angenehmen Saisonauftakttour ein mittelschweres Desaster. Denn Auswärtsfahrer brauchen Busse, am besten noch ein Busunternehmen, dass einen kennt und anders herum. So etwas zu finden ist nicht einfach und jemanden zu finden, der die Busse organisiert, noch viel schwieriger. Denn diese Person erntet größtenteils nur Undank und Ignoranz für seine Arbeit. Es sollten sich mal alle darüber im Klaren sein, dass sich da jemand für alle den Hintern aufreißt, damit wir auswärts fahren können. Oder besser gesagt, dass man auf das WET nicht zurück greifen muss. Naja, die Zukunft wird zeigen, wie es in diesem Punkt weiter geht.
Bernd brachte mich dann nach Ankunft in Dortmund nach Hause. Um ein Haar hätte ich mich vollends überschätzt, denn ich konnte Toast nur wider meinem Willen am Telefon absagen, noch zum Höchsten rauf zu kommen. Der letzte Funken Vernunft in meiner Hirse bewahrte mich vor einem Alkoholfiasko – gefehlt hat hierfür am gestrigen Tage nur ein Bierchen mehr…