[w+] Der DFB-Pokal hat, auch wenn man 5 Euro ins Phrasenschwein werfen muss, seine eigenen Gesetze. Aber wenn man den Pokalwettbewerb mit dem BVB Nullneun in Verbindung bringt, weiß man, dass es für beide Dinge seit nunmehr 18 Jahren eins feststeht. Die Thematik ist alljährlich früh beendet. Hier und da hatten wir mal Ausrutscher bis ins Viertelfinale zu verzeichnen, aber ansonsten war es immer früher aus.
Dieses Jahr bescherte uns die Losfee keinen Dorfverein sondern mit dem 1. FC Magdeburg einen ostdeutschen Traditionsverein. Im Vorfeld hieß es, dass der FCM ein wenig zu stark für die erste Runde sei, was er im Nachhinein zwar nicht bestätigte aber hier und da andeutete.
Die Reise trat ich wie so oft mit dem TU-Bus an, der mich am gestrigen Tag nicht vollends glücklich machen sollte, denn der Hauptmob fuhr mit dem Asiticket in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt. Da der Bus nicht komplett mit eigenen Leuten gefüllt werden konnte (was auch schon ewig nicht mehr vorgekommen ist), machten wir ihn öffentlich. Hinter mir saßen zwei doch sehr nervige Gesellen, die mir tierisch auf die Nüsse gingen, so dass ich, eigentlich gar nicht meiner ruhigen Art entsprechend, einen der beiden auf der Rückfahrt mal kurz und knapp mitteilen musste, seine Fresse zu halten. Klappte dann auch ganz gut. Ging echt gar nicht, oh meine werte Leserschaft.
Die Hinfahrt zog sich ein wenig, ging aber dennoch vorbei und wir erreichten den wohl lieblosesten Neubau in Fußballdeutschland. Der Bums hat echt überhaupt kein Flair und die Magdeburger beneide ich kein Stück, alle zwei Wochen dahin zu müssen. Insgesamt tummelten sich circa 3.500 schwarzgelbe Menschen, Sympathisanten, Fans und Ultras im Ernst-Grube-Stadion, die stimmlich deutlich Herr im Hause waren. Der Heimanhang ist zweigeteilt. Der Stehplatzbereich in der Ecke der Heimtribüne ist komplett tot, von da kam wirklich überhaupt nichts. Die Ultras vom 1. FCM sammeln sich hinterm Tor im Block U unter dem Dach um die Blue Generation. Die kochen da oben ihre eigene Suppe fernab vom Fanblock. Ab und an, wenn sie massenkompatibles Liedgut anstimmten, stimmte allerdings fast das gesamte Stadion mit ein. Insgesamt muss ich sagen, dass während des Spiels teilweise astreine Fußballatmosphäre herrschte.
Dann gab es da noch ein Grüppchen Magdeburger Fußballanhänger. Im Block neben dem Gästestehbereich konnte man eine nicht unerhebliche Anzahl sehr sportlicher Kollegen ausmachen. Die machten dann auch ziemlich schnell klar, was man vor hatte und fuchtelte immer wild gestikulierend zu uns rüber. Darauf sprangen dann auch zahlreiche Dortmunder an, ohne jedoch zu merken, dass sie sich im übertriebenen Maße lächerlich machten. Denn selbst ein Blinder hätte wohl sofort erkannt, dass die Magdeburger ihre Kontrahenten, wenn keine Bullen und Zäune dazwischen liegen würden, ohne mit der Wimper zu zucken unangespitzt in den Boden rammen würden. Respektabler Haufen.
Eine detaillierte Nachbetrachtung der Ereignisse auf dem grünen Rasen kann man anderswo nachlesen, ich kann nur sagen, dass der Sieg zu hoch ausfiel, aber durchaus verdient war. Unser Torhüter Marc Ziegler, der den gesperrten Roman Weidenfeller ersetzte, war gestern ein ganz klarer Unruheherd – Kategorie Fliegenfänger. Ob er grundlegend was drauf hat, kann ich nicht beurteilen, denn ich habe ihn vorher noch nicht in Aktion gesehen.
Nach dem Spiel wurde aus dem Gästebereich ein Käfig, denn man kam nicht mehr raus und vor allem nicht rein, was aber auch gut war, denn nähere Kontakte mit den vorhin beschriebenen Magdeburgern wollte wohl keiner schließen. Mit circa zweistündiger Verspätung ging es dann über Umwege auf die Autobahn und ab gen Heimat.
Im Bus gönnte ich mir dann auch das erste Bier auf den Sieg, was dann – surprise surprise – offene Türen einrannte und nicht alleine in meinem Fettleib bleiben wollte. In Dortmund angekommen wartete ich dann noch gemeinsam mit Madame auf Teile der Zugleute, mit denen wir dann noch in den Krieg zogen. Dort wurde noch eine intensive Schlacht an der Tasse geschlagen. Beide Seiten schenkten sich nichts, aber die Fraktion Tasse hatte schwere Verluste zu verzeichnen. Die Nummer ging ganz klar an Dortmund!
Für die nächste Runde im Pokal, die bekanntermaßen unter der Woche stattfinden wird, wünsche ich mir ein nahes Auswärtsspiel. Rot-Weiß Essen würde mir gefallen.