[w+] So, jetzt endlich finde ich die nötige Zeit, um meine Erinnerungen rund um den 19. April 2008 für diesen kleinen Blog niederzuschreiben. Vorab noch ein kleiner Hinweis. Bisher waren die Berichte hier allesamt etwas allgemeiner gehalten, zumindest was das Stadionleben anging, in den kommenden Zeilen, werde ich meine ganz persönlichen Eindrücke schildern, die ich aufgeschnappt habe, vorm Spiel in der Stadt, vorm Spiel im Stadion, während des Spiels und danach. Und los geht’s:
Ich sitze grade hier in meiner Küche und grübele seit wann ich von einem Pokalfinale mit meiner Borussia geträumt habe. Ich kann es Euch gar nicht genau sagen, denn der Startpunkt liegt jetzt schon etliche Jahre in der Vergangenheit. Umso glücklicher war ich, als wir im Halbfinale dann mit dem FC Carl Zeiss Jena die letzte Hürde erfolgreich meistern und das Ticket nach Berlin lösen konnten. Es wollte sich direkt danach erst gar nicht die Freude einstellen, so fern war das Pokalfinale all die vielen Jahre zuvor. Um realisieren zu können, dass sich mein größter Fußballtraum nun endlich erfüllen sollte, benötigte ich schon so ein paar Tage. Ich habe immer an der Authentizität der Aussagen von Sportlern nach gewonnenen Titeln gezweifelt, wenn sie predigten, dass sie ein paar Tage bräuchten, um merken zu können, was da eben passiert sei. Nun haben sich die Zweifel diesbezüglich in Luft aufgelöst.
Nun galt es die Anfahrtsfrage zu klären. Viele wollten länger als nur den einen Tag in Berlin verbringen. Absolut verständlich, nur blieb so leider eine Gruppenanreise auf der Strecke. Aufgrund dessen machten sich viele kleinere und auch größere Grüppchen zu unterschiedlichen Zeiten auf den Weg nach Berlin. Die ersten verabschiedeten sich bereits donnerstags auf den Weg.
Ich wollte eigentlich auch was länger in Berlin bleiben, aber ein Blick in mein Portemonnaie ließ diesen Wunsch leider relativ schnell wieder schrumpfen. Ein weiterer Blick auf den Kalender machte ihn dann endgültig zu Nichte. War dann aber gar nicht so schlimm, denn mein Vater wurde zwei Tage vorm Finale 60 und feierte seinen Geburtstag am Finalvorabend in der Stadionkneipe der Roten Erde. Also perfektes Ambiente, nur leider war ich viel zu nervös und aufgeregt, um einen entspannten Abend verbringen zu können. So widmete ich mich dem Bier, um die Zeit und die Anspannung zu überwinden. Irgendwann lockerte sich dann alles und ich musste um halb zwei von meiner besseren Hälfte aus dem Laden gezogen werden, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf erhaschen zu können. Somit waren all die langen Tage seit dem Halbfinale endlich geschafft und es konnte nun endlich, endlich losgehen.
Um fünf klingelte der Wecker und mein Kopf brummte ein wenig. Kurz gesammelt und geschüttelt, war ich aber hellwach. Der Tag, an dem mein größter Traum Wirklichkeit wurde, stand an. Ich war wie auf Knopfdruck hellwach. Schnell duschen und ab runter. Wir hatten für diesen Tag eine großartige Bullibesatzung auf die Beine gestellt. Ein großer Tag brauchte halt einen würdigen Rahmen! Dreimal Rader Jungs, einmal Schwerte-City, einmal Lichtendorf, Ömmes himself und dreimal Westpark nahmen in dem schnieken 9er Platz. Perfekte Runde für einen (fast) perfekten Tag!
Nachdem wir den Boliden in die Hauptstadt gekurvt hatten, stellten wir diesen in der Nähe des Olympiastadions ab und fuhren mit der S-Bahn in die alte Mitte von Berlin-West. Seitdem mein Fuß Berliner Boden betrat, wich die Anspannung vorerst einem Gefühl, welches ich ehesten mit purem Glück beschreiben würde. Doch ich war mir sicher, dass diese Anspannung mindestens in gleiche Intensität zu späterer Stunde wieder meinen Körper in Beschlag nehmen würde.
Wir waren in Berlin, ich war in Berlin! Am Bahnhof Zoo raus und schnell rüber zum Platz an der Gedächtniskirche. Dieser Ort wurde im Vorfeld als Treffpunkt der Szene auserkoren. Und wie die Szene sich traf. Es kam wirklich jeder hinter seinem Ofen hervor gekrochen, es war unbeschreiblich. Fortan vertrieb ich meine Zeit mit dem Begrüßen der Leute, eine unbeschreiblich schöne Beschäftigung. Es waren alle gekommen, mit denen man über die Jahre den Weg gemeinsam ging. Es ist eigentlich nur schade, dass diese geballte Masse an Szene nicht bei jedem Spiel unserer magischen Borussia anzutreffen ist. Die knapp drei Stunden an diesem Ort verflogen leider viel zu schnell, sie wurden einfach aufgesaugt.
Wir hatten in den Tagen vor dem Spiel aufgerufen, dass wir uns um 15 Uhr von der Gedächtniskirche in Bewegung setzen, um zum Stadion zu fahren. Für viele mag dieser Zeitpunkt viel zu früh erscheinen, doch war er mit Bedacht gewählt. Seit 13 Uhr weilten ein paar unserer Leute im Stadion, um die Finalchoreographie vorzubereiten. Und eben diese Jungs wollten wir nach der Toreöffnung nicht alleine mit all den Materialien lassen. Außerdem wollten wir alle, jede mögliche Minute in diesem Stadion an diesem Abend mitnehmen. Alle waren unfassbar heiß!
Wird fortgesetzt!