[w+] Wieder mal München, wieder einmal nicht samstags. Zum Kotzen. Das Spiel am Sonntag fand jetzt nun schon zum dritten Mal in Folge nicht am Samstag statt (einmal freitags und jetzt zweimal sonntags). Aber mal ehrlich, was willste machen? Zuhause bleiben und vor Aufregung die Wände hoch gehen oder in irgendeiner Kneipe hocken und bei Stammtischparolen das Spiel verfolgen? Ich bin nicht dafür geschaffen, die Spiele des BVB anderswo als im Stadion zu verfolgen. Fußball ist für mich keine TV-Sportart, zumindest nicht, wenn mein Verein spielt.
Da meine Begeisterung für Busfahrten in den letzten Jahren etwas abgenommen hat, kam für mich diese Möglichkeit der Anreise zu keinem Zeitpunkt in Frage. Neuner oder Auto wären gegangen, aber letztendlich entschied ich mich spontan für eine Anreise mit dem ICE. Dank des Angebots einer als mitarbeiterfreundlich bekannten Discounterkette konnte die Hin- und Rückfahrt für 55 Euro gebucht werden. Sicherlich teurer als Bus, Neuner oder Auto, aber absolut fair für eine ICE-Fahrt. Und der Komfort ist auch ungleich höher als alle anderen Varianten. Da auch andere Leute der hiesigen Szene dieses Angebot wahrnahmen, sollte die Fahrt sehr angenehm werden, wenngleich mein unruhiger Magen-Darm-Trakt mir einen gehörigen Strich durch die im Vorfeld gemachte Partyplanung machte. So wurde bereits im Vorfeld deutlich klar, dass diese Fahrt von mir sehr, sehr ruhig angegangen wird. Der Zug rollte am Sonntagmorgen pünktlich in der Heimat los und sammelte bis Düsseldorf weitere bekannte Fratzen ein, die die Fahrt in den „Freistaat“ sehr unterhaltsam gestalteten.
In München angekommen, warfen wir unsere Klamotten schnell in eins der zahlreichen, aber leider sehr teuren Schließfächer und machten uns mit der U-Bahn auf zum Marienplatz, wo wir die bereits früh morgens angekommene Busbesatzung von TU trafen, um von dort gemeinsam mit der Bahn nach Fröttmaning zu fahren.
Es ist immer wieder eine Plage dieses Stadion der Bayern zu betreten. Zum einen ist von der Bahnstation bis zum Eingang noch ein mittelschwerer Marsch zurückzulegen und zum anderen ist diese Spielstätte für mich ganz klar in die Kategorie „Ohne Charme“ einzuordnen. Sicherlich, bei Dunkelheit sieht das ganze schon irgendwie imposant aus, allerdings versprüht das ganze Ambiente für mich nicht den Hauch von Fußballatmosphäre. Aber scheinbar sehen das nicht alle so, denn ohne genauer hinschauen zu müssen, erblickt man allen Ecken vor dem Bau unzählige Touristen, die sich mit dem Stadion im Hintergrund ablichten lassen. Nicht nur von Dortmundern, oder solchen, die sich als solche ausgeben, sondern auch von zahlreichen Bayern-Fans, oder sollte ich lieber Kunden schreiben? Es ist schon fast traurig, was beim FCB für fußballfremdes Volk herumrennt. Aber auf der anderen Seite beruhigt es auch wieder, wenn man sieht, dass es woanders noch einen gewaltigen Touch krasser ist als bei uns.
Alles was sich zur Dortmunder Szene zählt bewältigte den Aufstieg in den dritten Rang des Stadions ohne Verluste und verteilte sich dann im am weitesten vom Spielfeld entfernten Gästeblock der Liga. Schon heftig, wie steil man von da oben auf das Spielfeld schaut. Gewöhnen kann und will ich mich daran auch nach meinem mittlerweile vierten Besuch nicht. Aber egal, wir müssen dort das beste aus den Gegebenheiten machen.
Zu meiner Freude machte die bajuwarische Staatsmacht dieses Mal keinen Bohei um über die Bande aufgehängten Zaunfahnen und rief mit übertriebenem Eifer keine unnötige Unruhe herbei. Warum dies hingegen in den letzten Jahren passiert ist, weiß ich und wohl auch die Polizei nicht. Auch sonst lockerten die Bayern die Verbotsschraube ein wenig, so dass dieses Mal Fahnen und Doppelhalter, sinnloserweise aber immer noch in begrenzter Anzahl, den Weg ohne große Diskussionen in den Auswärtssektor fanden. Darüber hinaus wurde ebenso eine Aktion der Jubos genehmigt, die den Gästeblock mit gelben Luftballons ausstatteten und das Bild mit dem Spruchband „Du bist das wofür ich lebe – Du bist alles was ich hab!“ Im Gesamtbild zwar simpel, aber sehr schön anzusehen.
Wie gewohnt werde ich auf das Spiel nicht detaillierter eingehen, denn den Verlauf und das Ergebnis kennt ja wohl jeder. Es ist unterm Schlussstrich aber etwas enttäuschend, wenn man auf diese Weise beim FC Bayern verliert. Sicherlich, mit einem Sieg rechne bestimmt nicht nur ich seit Jahren nicht, aber wenn man bis kurz vor Schluss ein Unentschieden in den Händen hält und dann von so einer Gurke wie M. Klose noch zwei Last-Minute-Dinger bekommt, ist man auch ohne vorherige Erwartung etwas enttäuscht. Schade, ich bin mal gespannt, wann die ehrwürdige Borussia endlich mal wieder ein Spiel in München gegen die Bayern gewinnt. Der letzte Sieg datiert bereits aus dem Jahr 1991. Ich habe schon bei jedem aktuellen Bundesliga-Gegner Siege gesehen, nur nicht bei den Bayern. Jaja, und bei Hoffenheim, aber das kommt schon noch. Wahrscheinlich eher als beim FCB…
Auf den Rängen war es ein Auf und Ab. Der Beginn mit dem Knallerstart durch das frühe Tor durch Valdez brachte den Auswärtssektor zum Explodieren. Nur hielt sich diese Phase nur recht kurz, schade eigentlich. Eine gute Basis für einen Klasseauftritt hat die Mannschaft gelegt, nur wussten wir alle damit nicht recht umzugehen. Der Gesamtauftritt war daher eher durchschnittlich, wenngleich ein paar Höhen zu vermelden waren. Aber zu oft war es zu lethargisch und zwei-, dreimal auch mucksmäuschenstill. Das missfällt hoffentlich nicht nur mir. Die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit haben mir persönlich am meisten Spaß gemacht, denn in dieser Phase konnte eine noch recht neue Melodie einen ordentlichen Einstand in der Belletage des Fußballs feiern und schafft hoffentlich in den nächsten Spielen den endgültigen Durchbruch. Also Freunde: Hinhören, aufsaugen, lernen und mitsingen!
Nach dem Spiel sammelte sich unsere aus acht Leuten bestehende Reisegruppe hinter dem Block und machte sich langsam auf in Richtung Innenstadt. Ursprünglich hatten wir geplant, dass wir erst um 03:17 Uhr den Zug in die Heimat nehmen, aber da wir doch alle sehr müde und abgespannt waren, entschlossen wir uns schon etwas eher, nämlich um 00:32 Uhr zu fahren. So blieb uns noch reichlich Zeit, um die müden Leiber im Augustiner am Dom zu stärken, und um dort mit vier bekannten Anhängern der Salzburger Austria ein paar Bier zu stemmen und ein leckeres Mahl zu uns zu nehmen. Leider gefiel meinem Magen diese Nahrungszufuhr überhaupt nicht, so dass ich mich mehr als dezent zurück halten musste und auch hier und da mit starker Müdigkeit zu kämpfen hatte. Aber auch so war es ein mehr als gelungener Abend in feiner Runde.
Wir machten uns dann pünktlich auf zum Bahnhof und enterten den ICE gen Essen. Als wir acht nicht reservierte Plätze fanden, ließen wir uns sofort nieder und huldigten alle dem heiligen St. Pennematz. Bis wir uns ab Limburg etwa die restliche Zeit mit Dünpfifflaberei vertrieben, was uns – oh Wunder – auch einwandfrei gelang. In Essen trennten sich unsere Wege und ich bestieg dort mit dem wohl ältesten Menschen der Welt und dem Herrn Aktion den IC nach Dortmund, wo ich, dort angekommen, nur noch eins wollte. Nämlich endlich auf den heimischen Boiler und dann ins geliebte Bett. Alles in allem eine sehr angenehme Tour, auch wenn mein Körper mir einen nicht grade dünnen Strich durch die Rechnung machte. Gerne wieder.
Nach zwei Spielen in der Rückrunde, einer Niederlage und dem Punkt gegen Leverkusen, muss nun am Sonntag endlich der erste dreifache Punktgewinn gegen Energie Cottbus her, damit die gute Hinrunde nicht irgendwann nur Makulatur ist.
Auf geht’s, Borussia!
Tag,
Welchen neuen Gesang meintest Du im München-Bericht? Text + Melodie wär sehr cool ;-)
Gruß
Ist ohne großen Text und die Originalmelodie kann ich Dir leider auch nicht nennen ;-)