[w+] Die Gesänge des Derbysiegs vom Vorabend noch im Kopf, klingelte der Wecker am Samstagmorgen schon wieder und das nächste Nachbarschaftsduell, dieses mal auf Profiebene, stand auf dem Plan. Der VfL Bochum erwartete uns in seiner bescheidenen Hütte. Ich denke, es ist nicht gelogen, wenn ich sagen, dass nicht nur ich heiß auf dieses Spiel war.
Um viertel vor elf holte ich meinen Lieblingsnachbar, den legendären Obi-Biber, ab und wir schlenderten gemütlichen Schrittes zur Möllerbrücke, wo Ronny unsere kleine Reisegruppe komplettierte. Mit der U-Bahn ging es unter der City hindurch zum TU-Laden. Auch dort verspürte ich sofort die Gier des Pöbels nach Fußball. Ich liebe das! Um kurz vor zwölf bogen die DES99 um die Ecke und die Meute war vorerst komplett. Wie so oft bei nahen Auswärtsspielen mieden wir den Dortmunder Hauptbahnhof. Das hat den einfachen Grund, dass es dort oftmals einfach zu hektisch zugeht und die überdimensionierte Anwesenheit der Staatsmacht einfach nervt. So fuhren wir mit der S-Bahn ab Körne-West und stiegen in Dorstfeld um. Unterwegs stiegen die Jubos noch ein, so dass die Ultraszene nun wirklich komplett war.
In Bochum angekommen, bahnten wir uns den Weg nach vorne, um den Marsch zum Stadion anzuführen. Auf
einen großen Aufruf verzichteten wir, besondere Gründe gab es hierfür aber nicht. Bisher war alles ruhig, so wie in den letzten Jahren auch. Dass das Bochums Hasspiel des Jahres sein soll, bekommen wir nie sonderlich mit. Auf Höhe des Planetariums tummelten sich in sicherer Entfernung ein paar ultrig anmutende Gestalten, die aber von uns nicht weiter beachtet wurden. Auch die einstigen beiden Szenekneipen auf dem Weg, waren dieses Mal nur noch lächerlich. Ein paar Suffis pöbelten hinter der Polizeikette albern rum, was von uns nur mit einem mitleidigen Applaus „honoriert“ wurde. Die Ultras Bochum haben wohl einen neuen Treffpunkt, der nicht auf dem Weg zwischen Bahnhof und Stadion liegt.
Naja, am Stadion angekommen, betrat ich dieses auch sofort, um das alljährliche Chaos an den Eingängen zu vermeiden. Aber eins habe ich am Samstag gelernt. Ich werde mir bei meinen zukünftigen Besuchen im Ruhrstadion eine Sitzplatzkarte gönnen. Ihr wollt wissen warum? Ganz einfach, der Stehplatzblock ist zwar ganz cool, aber einfach zu voll, um sich dort vernünftig zu bewegen. Wenn man einmal unten ist, bedarf es größter Anstrengung, sich durch die dicht an dicht stehenden Menschen zu zwängen, um noch einmal aus dem Block zu gelangen. Da habe ich keinen Bock mehr drauf.
Die Zeit bis zum Spiel war noch lang, das Spruchband der Bochumer dieses Mal zu gut befestigt, als dass es sich lösen und wir es vorab erkennen konnten. So machte es sich der untere Bereich des Stehers zur Aufgabe, die Aufkleber an den Pfeilern des Schutznetzes zu überkleben. Als der Anpfiff immer näher rückte, stiegt auch die Anspannung und die Stimmung im Gästebereich. Dieser war dieses mal erfreulich gut gefüllt. Wie schon bei den letzten Auswärtsspielen in dieser Saison kratzten wir abermals an der 10.000er-Marke.
Kurz vor Spielbeginn hissten TU und DES99 kleine Zaunfahnen an den Zaun, was einen etwas übermotivierten Ordner versuchen ließ, diese durch den Zaun in den Innenraum zu ziehen. Beide Gruppen nahmen das natürlich nicht hin und verteidigten ihre Fahnen. Warum dieser Ordner es fortan noch zwei-, dreimal probierte und die Situation kurz vor die Eskalation trieb, ist und bleibt ein Rätsel. Nach schier unendlichen Minuten wurde er dann von irgendeinem Chefordner abgesaut und stand seitdem wie ein begossener Pudel vorm Block und tat so, als ob er über einen Knopf im Ohr irgendwas mitgeteilt bekäme. Nur doof, dass er überhaupt keinen Knopf im Ohr hatte. Geh auf der Autobahn spielen, Du Vollhorst!
Das Spiel ist schnell erzählt. Unsere Borussia spielte richtig guten Fußball und ging bereits nach elf Minuten in Führung. Fortan rockten die schwarzgelben Scharen im Ruhrstadion noch einen Tacken mehr als zuvor. Nach Köln und Hannover definitiv unsere beste Saisonleistung. Und nachdem Valdez in der 54. Minute mit seinem Traumtor zum 2:0 Endstand einschlenzte, gab es kein Halten mehr. Der erste Sieg nach zehn Jahren in der Nachbarstadt war perfekt. Perfekt! Gegen Ende wurde dann der vierte Sieg in Folge überschwänglich gefeiert, so dass nach Ewigkeiten mal wieder das Vereinslied im Stadion erklang. Als dann danach noch „Im Jahre 1909“ intoniert wurde, war meine Gänsehaut perfekt. Insgesamt ein rundum geiler Auftritt!
Und die Bochumer? Nach der schicken Aktion, die aus dem schönen Banner „Verein für Leibesübungen Bochum 1848 e. V.“ vor der Ost und schön kompakt wirkenden blau und weißen Kassenrollen bestand, zum Einlaufen der Mannschaften kam außer zwei-, dreimal „BVB Hurensöhne“ nichts mehr bei uns an. Selbst Bewegung war nur schwer auszumachen. Als sie dann im Spiel – ich weiß den genauen Zeitpunkt nicht mehr – das Spruchband Bochums Polizisten außer Rand und Band, prügeln sich im ganzen Land! Bochum, Wob, Paderborn! benötigten sie gefühlte zehn Minuten, was den Gästepöbel schwer amüsierte. Nachdem sie es dann schlussendlich doch geschafft hatten, gab es auf Gästeseite solidarische Sprechchöre, die dann gleich wieder in Pöbelgesänge gegen den VfL übergingen. Werden wahrscheinlich nicht alle nachvollziehen können, aber ich find das vollkommen in Ordnung. Das war es dann aber auch schon, was man über den Heimanhang berichten kann.
Nach dem Spiel ließ sich unsere Mannschaft, die sichtlich platt war, noch ein wenig von ihren Anhängern feiern und nach Wellen mit allen Bereichen des Gästeblocks, ließ sie sich auf unsere Aufforderung hin im Strafraum nieder. Die gottverdammte H-U-M-B-A hatten wohl jetzt viele erwartet, die gab es aber nicht zu hören – und wird hoffentlich auch nicht mehr in Dortmund zu hören sein – denn der Gästepöbel intonierte ein brachiales „Ballspielverein Borussia aus Dortmund“, wonach Fans und Mannschaft nach der Strophe ordentlich abfeierten. Feines Ding!
Dann ging es raus vors Stadion, wo sich der Tross sammelte. Und auch nach dem Spiel, war von Bochum absolut nichts mehr zu vernehmen. Gerüchte, dass die komplette Bochumer Hool-Mischpoke an der Brücke am Ring auf uns lauerte, entpuppten sich als Märchen. Entweder sie waren wirklich nicht da, oder die Polizei hat sie dort verjagt. Mir ist es latte, ich wollte nur noch sitzen und mich ein wenig erholen. Irgendwie war der Tag anstrengend und ich ziemlich kaputt.
In Dortmund nahm uns dann die Sektion Stadionverbot auf den Treppen gegenüber dem Bahnhof im Empfang. Noch schnell ein paar Szenefotos geschossen und schon konnte der Abend beginnen. Eigentlich wollte ich einen ruhigen zuhause machen, doch auf der Rückfahrt im Zug wurde dieser Plan flugs über den Haufen geworfen und ich saß abends an der Biegung meines Tresens, wo man mich beizeiten bitte begraben mag.
Zwei Derbys, zwei Siege! Danke, Borussia!
Ruhrgebietsmeister…
VfL Bochum – Ballspielverein Borussia 1909 e.V. Dortmund
Der BVB siegt zum ersten Mal seit März 1999 wieder in Bochum und darf sich berechtigte Hoffnungen machen, nächstes Jahr eventuell doch im UEFA-Pokal (dieses neumodische Wortkonstrukt geht mir n…..