[w+] Die Zonis haben schon drüber geschrieben, schwatzgelb.de hat schon drüber geschrieben und nun schreibe ich auch noch über den neuesten Coup der Marketing-Abteilung des Energiegetränkeherstellers Red Bull. Nach den ganzen Fun- und Extremsportarten und der Formel 1 hat der österreichische Konzern auch den Fußball für sich entdeckt. Nach Red Bull New York und Red Bull Salzburg vor ein paar Jahren wird nun aus dem SSV Markranstädt, einem kleinen Leipziger Vorortverein, RB Leipzig. Dass das RB offiziell gar nicht für Red Bull sondern Rasenballsport steht, ist nur ein kleiner Schönheitsfehler. Red Bull aus Big Apple juckt/e hierzulande niemanden, denn Ami-Fußball ist nicht annähernd so etwas wie interessant und wer die Sportverhältnisse im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennt, wird das auch einfach als gegeben hinnehmen. In einem Land in dem ganze Vereine aus Profitgründen die Stadt und aus Marketinggründen den Vereinsnamen wechseln wie wir hierzulande die Unterhosen, ist Red Bull ziemlich gut aufgehoben.
In Europa allerdings, wo der Fußball einen ganz anderen Stellenwert inne hat, sieht das schon wieder anders aus. Die Salzburger Geschichte kennt sicherlich jeder, der Aufschrei war damals ja laut genug. Die Solidaritätswelle zog sich über den gesamten Kontigent und vor dem Erreichten der neu gegründeten violetten Austria ziehe ich respektvoll meinen Hut! Wie RB Salzburg sich entwickelt hat, werden wohl auch nicht grade wenige verfolgt haben. RBS ist heuer österreichischer Meister geworden und feierte diesen Titel mit nicht einmal 5.000 Menschen in der Innenstadt. Auch für die Verhältnisse im Alpenstaat ist das mickrig und vom Konzern garantiert anders geplant gewesen. Diese Zahl zeigt aber auch, dass Red Bull Salzburg nicht den Erfolg auswirft, den sich Red Bull im Vorfeld des Projekts erhofft hat. Doch Österreich ist nicht Deutschland und Salzburg ist nicht Leipzig.
Leipzig hat zwei Fußballvereine, die im Normalfall der Stadt genügen würden. Doch leider dümpeln der FC Sachsen, der nach der Wende aus der BSG Chemie Leipzig hervorgegangen ist, und der 1. FC Lokomitive in der fünften Liga rum. Der FC Sachsen hat letztens Insolvenz angemeldet und Lok hat sich aus dem Nichts – i. Ü. ebenfalls nach einer Neugründung – in die fünfte Liga hochgekämpft. Wie es mit diesen beiden Vereinen weiter geht, bleibt abzuwarten. Und nun fängt auch noch die von Fans neu gegründete BSG Chemie als dritter Verein in der untersten Klasse neu an und wird versuchen, den sportlichen Werdegang des verhassten Lokalrivalen Lok zu wiederholen. Hier wird die Zeit zeigen, wie sich die Chemiker entwickeln.
Doch kann das einer Fußballstadt wie Leipzig genügen? Vielen Presseberichten und Einschätzungen vermeintlicher Experten natürlich nicht. Leipzig braucht Bundesligafußball, Leipzig ist heiß auf die großen Namen der Eliteliga. Dass Leipzig Bundesligafußball braucht, kann aber auch nur ganz vielleicht damit zusammenhängen, dass das größte Stadion der Stadt zur WM 2006 mit Millionen von Euro (auch aus Steuertöpfen) auf den damals neuesten Stand gebracht wurde, um der Welt wenigstens einen ostdeutschen Standort präsentieren zu können. Der Weg der Leipziger Vereine war damals schon absehbar, so dass das Stadion für ein paar WM- und sonstige Länderspiele, die alle paar Monate mal in Leipzig stattfinden und Konzerte gebaut wurde. Doch für solch einen Bau ist das natürlich keine rentable Auslastung, denn für die Ligaspiele der ortsansässigen Vereine ist das Zentralstadion natürlich völlig überdimensioniert. Da kommt der Stadt der Einstieg von Red Bull natürlich recht, zumal auch im selben Atemzug die Namensrechte des Zentralstadions an Red Bull abgetreten werden. Die ersten beiden Jahre wird RB Leipzig sicherlich noch nicht dort spielen, aber bei eintretendem Erfolg, der natürlich fest eingeplant ist, wird der Umzug in die Red-Bull-Arena, wie der Bau dann heißen wird, vollzogen.
Was ist also zu tun? Die Stadt als Eigner des Stadions konnte natürlich nichts tun, aber das Angebot von Red Bull, den kleinen, unbedeutenden SSV Markranstädt quasi aufzukaufen und in die Bundesliga zu führen, kam da natürlich grade recht. Schließlich werden auch in Leipzig die Kassen nicht voller sein als andernorts. Der SSV tritt seine Lizenz für die fünfte Liga an Red Bull ab, die übernehmen flugs die erste Mannschaft und schon ist der neue Retortenverein aus dem Boden gestampft. Die Lizenzierungsverfahren des DFB sehen aber auch Nachwuchsmannschaften und -förderung vor. Und da kommt der vom Pleitegeier heimgesuchte FC Sachsen wieder ins Spiel, denn, so ist zumindest der Plan, die können die Nachwuchsmannschaften und das Ausbildungszentrum einfach an Red Bull abtreten. Und schwuppdiwupp ist der neue Verein fertig.
Jetzt fehlen nur noch die Millionen von Red Bull, um sich eine Mannschaft zusammenzustellen, die den Durchmarsch bis in die deutsche Eliteliga problemlos schafft und schon ist noch ein mausgrauer Werbeverein mehr in der obersten Liga. Nach Leverkusen, die ja schon fast etabliert und geduldet sind, Wolfsburg und Hoffenheim, wäre das dann der vierte Verein. Auf kurz oder lang werden da noch mehr hinzukommen und die obersten Plätze unter sich ausmachen. Und wer verliert dabei? Der Fußball selber! Die angesprochenen Mannschaften teilen alles unter sich auf, die wirklich interessanten Vereine mit großen Geschichten und einer Menge Flair werden verdrängt und der Fußball wird noch mehr zur klinisch reinen TV-Ware, als er eh schon ist. Die ganze Marketingmaschinerie buhlt nur noch um die TV-Kunden und bemerkt gar nicht, dass die Vereine, die die TV-Übertragungen erst interessant machen, weil sie Fans haben, die die unnachahmliche Fußballatmosphäre erzeugen, die so gerne in die Wohnzimmer und Kneipen dieser Welt verkauft wird, in Ligen spielen, die gar nicht mehr bundesweit übertragen werden.
Letzteres ist sicherlich etwas schwarz gemalt, aber irgendwann bestimmt keine traurige Theorie mehr.
Red Bull ist überall! Wehret den Anfängen vom Ende des Fußballs, wie wir ihn lieben!!!
Irgendwann wird der Kollaps im Profifußball kommen. Ob es ein reiniges Gewitter wird und die Leute daraus lernen, bezweifel ich aber.
Ansonsten schöner Artikel Wolle.
Anstatt diese Deppen wenigstens sowas wie Mannheim kaufen und umbenennen, versuchen sie den Deal in einer Stadt, die wie praktisch keine andere in Deutschland sowieso schon in zwei verhasste Lager gespalten ist. Jetzt haben sie in der Stadt zwei grundverfeindete und Tifoserien gegen sich und genau 0 eigene Fans. Mal abgesehen davon, dass ich diesen Red Bull-Dreck genauso widerlich finde, wie du, glaube ich dass das ein Millionengrab wird.