[w+] Nach der Nullbockattacke zu Beginn der Woche gibt es nun wieder in gewohnter Manier die Berichte vom Wochenende. Die mangelnde Motivation lag im Übrigen nicht am VfL Bochum, sondern an mir selbst. Dieses ganze Derby-ja-oder-nein-Gerede der hiesigen Fußballszene ist nicht mein Ding, denn Spiele gegen Bochum sind für mich ganz klar Derbys, die ich immer gewinnen will – egal wie!
Nun aber zurück zum letzten Freitag. Als ich um halb vier die Arbeit Arbeit sein lassen konnte und auch die kurze Nahrungsaufnahme in den eigenen vier Wänden schnell und effizient über die Bühne bringen konnte, schnappte ich mir meine holde Maid und schon ging es los. Noch schnell die Fans aus der Nachbarschaft eingesammelt und schon standen wir am Bahnhof, oder was von ihm übrig geblieben ist. Diese ganze Bahnhofsleier ist schon traurig. Schon seit ewigen Jahren diskutierten sich unzählige Gremien dieser Stadt die Köpfe heiß, Modelle wurden vorgestellt, Modelle wurden in den Himmel gelobt, um dann aber doch wieder in der Schublade zu verschwinden. Nach gefühlten 25 Jahren begannen die Bauarbeiten nun endlich vor ein paar Wochen. Wenn man jetzt aber glaubt, dass nun alles in Butter sei, sieht man sich getäuscht. Denn nach Baubeginn gingen die Diskussionen wieder los, denn einige wichtige Stimmen wurden laut, dass die geplante Fassade am Hauptausgang doch nicht den Wünschen entspricht. Da soll noch jemand durchsteigen. Um den Bahnhofsexkurs abzuschließen: Der Bahnhof sah vor den Bauarbeiten scheußlich aus und sieht es jetzt in der Bauphase auch. Wollen wir hoffen, dass wir bald einen Bahnhof in Dortmund haben, der der Wichtigkeit dieses Standortes gerecht wird.
Zurück zum Spocht. Wir betraten das Gleis und alsbald auch den Zug und die illustre Hinfahrt konnte losgehen. Im Nachgang war diese dann doch ganz witzig, beim direkten Dabeisein war es einfach nur nervenaufreibend. Dank meiner Fähigkeiten, mich auf andere zu verlassen, konnte ich im Zug einen Sitzplatz im Fahrradabteil ergattern, was bei minimal späterem Betreten schon nicht mehr möglich gewesen wäre. Züge am frühen Freitagabend, die einmal komplett den Ruhrpott und das Rheinland durchqueren sind nun einmal so. Und wenn dann auch noch Fußball ist, ist es eh zu spät. Dies zur Ausgangsposition. Bei meinem Glück saß ich dann auch direkt vor vier bis fünf jung gebliebenen Ü50-Schachteln, die mir auch direkt auf den Zwirn gehen sollten. Diese Weibsbilder waren auf dem Weg nach Köln um den Junggesellinnenabschied von Klaus-Bärbel zu feiern. Die hieß natürlich nicht so, sah aber so aus. Ihr stand nun die dritte oder vierte Ehe bevor, dieses Mal klappt es bestimmt. Wir drücken die Daumen. Das nervige an diesen Fregatten war aber, dass sie ihren kleinen CD-Spieler dabei hatten, der dann auch stilecht WDR4- und Ballermannmucke abspielte. Noch nerviger war es aber, dass die Wortführerin der Truppe mit jedem in Kontakt kommen wollte und sich sehr witzig und schlagfertig fand. Somit zog sich die Fahrt schier ins Unermessliche, konnte aber schlussendlich doch bewältigt werden, wenn auch etwas genervt.
Nach Ankunft am Stadion ging es auch schnell hinein, denn die Massen vor den Eingängen waren doch beträchtlich. Kurz locker kontrollieren lassen – das war in Leverkusen auch schon mal anders – und schon ging es runter in den Block. Schnell einen guten Platz gesichert und schon warf in einen Blick durch das neue Haberland. Der SVB hat in den letzten Monaten ordentlich gebaut und auf drei Tribünen einen Oberrang gesetzt und auch eine neue Dachkonstruktion können sie ihr eigen nennen. Sieht alles in allem ganz in Ordnung aus, wobei mir diese Hintertortribüne mit den paar Reihen und der Wand mit den VIP-Logen nie gefallen wird. Aber drauf geschissen, denn nun passen 30.000 und ein paar Kaputte ins Stadion, was die Anzahl der Jahr für Jahr nach Leverkusen fahrenden Borussen noch erheblich steigern und unsere Spiele dort auch weiterhin zu stimmungsvollen Heimspielen machen dürfte.
So auch dieses Mal. Auch bedingt durch die überraschende wie frühe Führung durch Barrios können wir die Stimmung aller Borussen am Freitag getrost in die Kategorie „Bärenstark“ einordnen. Lediglich nach dem Ausgleich und dem in der Luft liegenden Siegtreffer für die Gastgeber wurde es etwas schlechter. Was man von der Heimseite nicht grade behaupten kann. Bedingt durch zahlreiche Stadionverbote gegen Ultras Leverkusen fehlt ihnen ein größerer Stimmungskern, der die Sache richtig in die Hand nimmt. So kam außer den obligatorischen „BVB Hurensöhne“-Gesängen wenig bis gar nichts bei uns an. Ich stell mir das eh ein wenig frustrierend vor, wenn man immer gegen eigentlich alle Westvereine zuhause immer den Kürzeren in Sachen Stimmung zieht. Einzig schlagbarer Anhang dürfte Bochum sein, was jetzt aber auch nicht sooo schwer ist. Aber egal, das ist nicht unsere Baustelle.
Zum Spiel will ich gar nicht viel sagen, außer dass ich eigentlich über keinen Spieler groß meckern kann oder will, denn im Vorfeld wäre ich mit dem Unentschieden sehr zufrieden gewesen. Und das bin ich auch noch im Nachgang. Drei Spiele in Folge ungeschlagen, sieben Punkte geholt und dazu ein Torverhältnis von 4:1. Liest sich doch ganz gut, oder? Wollen wir hoffen, dass sich der Aufwärtstrend auch in den kommenden Wochen bestätigt und der doch recht maue Saisonauftakt noch ausmerzen lässt.
Nach dem Spiel ging es dann zum Entlastungszug und wieder ab in die Heimat. Noch schnell einen richtig guten Döner zwischen die Backen gesteckt und schon lag ich in der Pofe und träumte schnell von weiteren Siegen unserer Borussia und noch mehr so guten Leistungen auf den Rängen!
Zum Abschluss bleibt nur noch eine Frage, die sich mir schon länger stellt. Der Verein nennt sich TSV Bayer 04 Leverkusen, die Fans und auch der Club selber bezeichnen sich als SVB, also Sportvereinigung Bayer. Doch müsste es nicht eigentlich TSVB oder einfach nur TSV heißen? Woher kommt das Weglassen des T’s und die Bezeichnung als SVB? Kann mir das jemand beantworten?
Zitat Wikipedia: „Der Verein in seiner heutigen Struktur entstand durch die 1984 vollzogene Wiedervereinigung der in den 1920ern aufgetrennten Vereinsteile Sportvereinigung Bayer 04 Leverkusen und Turn- und Spielvereins Bayer 04 Leverkusen. Die Vereinsfarben sind rot-weiß, die Fußballabteilung trägt rot-schwarz in Fortsetzung der Tradition der Sportvereinigung.“
Ich denke mal, es dürfte damit zusammen hängen.
Beste Grüße!