[w+] Nach den ersten sieben Spieltagen, die für uns ausnahmslos samstags um 15:30 Uhr stattfanden, bekommen wir seit dem Spiel bei Borussia Mönchengladbach die ganze Bandbreite der Anstoßzeiten zu spüren. Einzig der sonntägliche Anstoß um 15:30 Uhr blieb und bleibt uns vorerst erspart. Auch am vergangenen Spieltag durften wir nicht zur Kernzeit ran, wenn man diese überhaupt noch so benennen kann. Wobei ich mir eingestehen muss, dass ich Freitagabendheimspiele irgendwie ganz cool finde. Dies ist aber rein subjektiv, denn spielt man freitags auswärts, ist das nicht immer gediegen. Und freitags in Berlin fänd ich wiederum nicht ganz so cool. Deshalb wäre es schon einfacher, würden alle Spiele samstags stattfinden, doch selbst ich bin nicht so naiv, um zu denken, dass das in irgendeiner Zukunft geschehen könnte – leider…
Am Freitag gastierte also die Hertha aus Berlin bei uns im wunderschönen Westfalenstadion. Jaja, die Hertha, irgendwie erinnern ihre aktuellen sportlichen Leistungen an Axel Schulz (der mit der Fackelmann-Mütze) zu seinen besten Zeiten. Seit dem 1:0-Sieg am ersten Spieltag gegen Hannover 96 bekommt die alte Dame Woche für Woche schön was vor den Kopf und taumelt mehr oder weniger geistig anwesend durch den Ring. Nur letzten Sonntag gelang ihr mal ein kleiner Verlegenheitstreffer gegen den aktuellen Meister des DFB-Verbands. Solche Gegner sind nicht leicht zu spielen, denn selbst die längste Pleitenserie muss ja irgendwann einmal zu Ende gehen. Und wir Dortmunder reden uns gerne ein, dass wir in der Vergangenheit schon oftmals als Aufbaugegner für die Mannschaften herhalten mussten, die seit gefühlten Ewigkeiten keinen Sieg mehr einfahren konnten. Ob diese Theorie nun wirklich stimmt, kann ich nicht sagen, aber so ganz wohl war mir bei den Gedanken an das Spiel nicht. Und so wurden in den Tagen zuvor auch schon Szenarien für die Phase nach dem Abpfiff gesponnen. Ein paar besonders pessimistische Pessimisten sahen Friedhelm Funkel schon vor dem Gästeblock tanzen. All diese Faktoren führten dazu, dass auch ich ins Grübeln kam.
Und das Spiel ließ einem auch sehr viel Zeit zum Grübeln, denn es war alles andere als packend und spannend. Ich will hier gar nicht die große Kritikkeule rausholen, denn die letzten vier Spiele sind rein vom Ergebnis her völlig ok, das Pokalspiel natürlich ausgeklammert. Na klar, wir haben jetzt nicht unbedingt gegen Übermannschaften gewonnen. Mönchengladbach, Bochum und die aktuelle Hertha müssen aber einfach geschlagen werden, um sich den Tabellenkeller langfristig vom Leib zu halten. Und der Punkt in Leverkusen ist ja auch nicht so ganz uncool. Sicherlich hapert es deutlich noch an mehreren Ecken und Enden, aber diese letzten vier Ligaspiele müssen jetzt einfach auch für ein bisschen Selbstvertrauen gesorgt haben, um gegen die kommenden Gegner bestehen oder mindestens mithalten zu können. Wobei unser Fokus ganz klar auf den Spielen gegen Mainz, Nürnberg und Freiburg liegen muss. Bremen, Hoffenheim und Wolfsburg sind zurzeit einfach mindestens eine Klasse besser, wobei wir auch gegen die nicht mit Pauken und Trompeten untergehen müssen. Mit Einsatzwille, Kampf und der nötigen Leidenschaft können wir vielleicht auch in diesen Spielen für Überraschungen sorgen. Für Spannung ist auf jeden Fall bis zu den Feierlichkeiten rund um das 100-jährige Bestehen der mächtigen Borussia gesorgt.
In diesem nur bedingt interessanten Spiel konnte sich unsere Borussia aber am Ende ohne große Mühen durchsetzen. Dies lag zum einen an den beiden Toren, die durch einen Elfmeter von Sahin und durch ein weiteres klasse Tor von Barrios fielen, und zum anderen an der wirklich desolaten Hertha aus Berlin. Es ist schon erschreckend wie diese Mannschaft auftrat, denn bis auf einen gefährlichen Torschuss war das schlicht und ergreifend nichts.
Dies machte sich auch beim Anhang der Hauptstädter bemerkbar. Die guten Eindrücke der letzten Auftritte im Westfalenstadion konnten am Freitag nicht untermauert werden, aber wer will es ihnen verübeln. In den ersten Minuten waren sie zwei-, dreimal leicht zu vernehmen, aber weil man schnell erkennen konnte, das unser Gast auch in diesem Spiel keinen Blumentopf gewinnen wird, wurden die Unterstützungsambitionen schnell as acta gelegt. Und ganz ehrlich? Ich hätte die Nase auch gestrichen voll. Die Süd, um das auch schnell abzuhandeln, war eigentlich wie immer. Mal schlecht, mal gut, der alte Hut.
Nach dem fulminanten Schlussakkord durch das sehenswerte Tor von Barrios war dann auch gleich Schluss und der 2:0-Sieg im Sack. Noch ein paar kurze Worte zu Barrios. Nach den deutlich erkennbaren Anlaufschwierigkeiten kommt unser Stürmer nun immer mehr in Fahrt. Zurzeit trifft der wirklich in jedem Spiel und tritt wie ein richtiger Torjäger auf. In den 90 Minuten ist nicht viel von ihm zu sehen, aber im richtigen Moment erkennt er die Situation und nagelt das Ding in die Maschen. So langsam erkennt man, dass der Typ ein richtig Guter ist. Hoffentlich hält das auch in Zukunft an, dann werden wir noch eine Menge Spaß mit ihm haben.